Lexware-CEO Christian Steiger: Wie Bürokratie für Kleinunternehmer unsichtbar werden soll
Lexware-CEO: Bürokratie für Kleinunternehmer unsichtbar machen

Der Mann, der Deutschlands Kleinunternehmern die Bürokratie erleichtert

Montagmorgen, 8:17 Uhr. Eine Rechnung fehlt, drei Belege sind zwischen Jackentasche und Schreibtisch verschwunden, und die Umsatzsteuer-Voranmeldung steht an. Dieser nervige Alltag in deutschen Büros und kleinen Betrieben ist das Spielfeld von Christian Steiger (52). Der CEO von Lexware kümmert sich um das, was viele hassen, aber alle brauchen: Buchhaltung, Meldungen, Steuerkram und Lohnabrechnung.

Über 600.000 Unternehmen vertrauen auf Lexware

Mehr als 600.000 Unternehmen nutzen die Software von Lexware – vom Solo-Selbstständigen bis zum Mittelständler. Steiger betont: „Unsere Mission ist es, Unternehmertum einfach zu machen. Wir können die Bürokratie nicht abschalten – das kann nur der Staat – aber wir können sie so gestalten, dass man sie nicht mehr spürt.“ Der Informatiker und Start-up-Gründer führt Lexware als Teil der Haufe-Gruppe, die mit 2.500 Mitarbeitenden einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro erwirtschaftet.

Kleinunternehmen als Fundament der deutschen Wirtschaft

Während oft über DAX-Konzerne gesprochen wird, richtet Steiger seinen Blick auf diejenigen, die morgens ihre Geschäfte aufschließen: Handwerker, Kanzleien, Praxen, Agenturen und Online-Shops. „Wenn wir über die deutsche Wirtschaft reden, spreche ich vor allem über die vier Millionen Kleinst- und Kleinunternehmer in Deutschland“, erklärt er. Für ihn sind sie das Fundament: „Wir reden vom Rückgrat Deutschlands. Wenn die fallen, fallen wir auch.“ Tatsächlich machen kleinere und mittlere Unternehmen rund 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus.

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Bürokratie als Dauerfrust und die Rolle der KI

Bürokratie bleibt in Umfragen eines der größten Themen für Unternehmer. Doch Steiger setzt einen anderen Akzent: „Die Wirkung ist das eigentlich Entscheidende.“ Noch schlimmer als Formulare sei etwas anderes: „Wenn die Kleinen anfangen, Angst zu haben, ist das schlimmer als die Bürokratie.“ Was ihn besonders umtreibt, ist die fehlende Anerkennung für kleine Betriebe.

Gleichzeitig sieht Steiger in der Künstlichen Intelligenz einen wichtigen Partner: „Der Kleinstunternehmer ist Chef, Techniker, Verkäufer – und jetzt soll er auch noch KI-Experte sein. Das kann kein Mensch.“ Sein Zukunftsbild: KI soll nicht noch ein System sein, sondern der Kollege, der Systeme zusammenzieht und unnötige Handgriffe übernimmt.

Verwurzelt in Freiburg und Engagement für die Region

Steiger bezeichnet sich stolz als „Freiburger Bobbele“. Selbst als Gründer kam für ihn nie infrage, nach Berlin oder in die USA zu gehen. „Hier ist Heimat“, sagt er auf dem Dach der Firmenzentrale mit Blick über die Stadt. Ab der Saison 2026/27 wird Lexware als Hauptsponsor auf dem Trikot des SC Freiburg prangen. Das Unternehmen unterstützt neben diesem Engagement über 150 weitere Sport- und Jugendvereine in der Region.

Als Vater einer kleinen Tochter würde Steiger ihr empfehlen, vielleicht irgendwann ein Handwerk zu erlernen – denn das könne KI nicht so schnell ersetzen. An einem regnerischen Nachmittag klappt er seinen Laptop zu, um mit seiner Tochter auf die Freiburger Fastnacht zu gehen. Denn jede Zettelwirtschaft braucht auch mal eine Pause.

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