Lindt reagiert auf fallende Kakaopreise mit deutlichen Preissenkungen
Die hohen Preise der vergangenen Jahre haben vielen Verbrauchern die Lust auf Schokolade genommen. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab: Nachdem die Kakaopreise an den Börsen zuletzt stark gefallen sind, ziehen auch Markenhersteller nach und reduzieren ihre Preise. Der renommierte Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli bestätigte auf Nachfrage, dass er die Preise für einzelne Produkte senkt.
Konkrete Preisanpassungen bei Lindt-Produkten
Die unverbindliche Preisempfehlung für 100-Gramm-Tafeln der Classics-Produktlinie wurde von 2,69 auf 2,19 Euro reduziert. Zu dieser Linie gehören beliebte Sorten wie Vollmilch und Haselnuss. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, dass weitere Preisanpassungen derzeit geprüft werden. Zuvor hatte bereits die „Lebensmittel Zeitung“ über diese Entwicklung berichtet.
Auch für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft plant Lindt & Sprüngli ausgewählte Preissenkungen. So soll die UVP für den 200-Gramm-Weihnachtsmann von 8,99 auf 7,99 Euro herabgesetzt werden. Das Unternehmen betont jedoch, dass sich die niedrigeren Kakaopreise aufgrund der langfristigen Einkaufsstrategie nicht unmittelbar auswirken.
Bahlsen zieht mit Preissenkungen nach
Nicht nur Lindt reagiert auf die veränderten Marktbedingungen. Auch der Süßwarenhersteller Bahlsen hat jüngst Preise für einige Produkte gesenkt, darunter Schokoladenkekse. Eine Sprecherin erklärte, man wolle die gesunkenen Kakaopreise an die Verbraucher weitergeben. Allerdings legen die endgültigen Verkaufspreise nach wie vor die Händler fest.
Der Milka-Hersteller Mondelez äußerte sich auf Anfrage nicht dazu, ob auch Schokolade dieser Marke günstiger werden könnte. Die Lebensmitteleinzelhändler hatten bereits Ende Januar die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte erstmals seit langem wieder gesenkt und in dieser Woche ein zweites Mal nachjustiert.
Hintergrund: Die Preisentwicklung bei Schokolade
In den vergangenen Jahren ist Schokolade deutlich teurer geworden. Ursache waren befürchtete Ernteausfälle in Westafrika infolge von Pflanzenkrankheiten und Extremwetter. Hersteller und Händler gaben die gestiegenen Rohstoffkosten an die Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im März im Schnitt 71 Prozent teurer als im Jahr 2020.
Die aktuelle Preissenkungswelle hat ihren Ursprung in einer besseren Kakaoernte. Die Rohkakaopreise an den Börsen sind deshalb zuletzt stark gefallen. Bei Eigenmarken von Discountern und Supermärkten liegen die Preise für eine 100-Gramm-Tafel je nach Sorte nun zwischen 79 Cent und 1,19 Euro.
Verbraucher reagieren mit reduziertem Konsum
Die hohen Preise haben deutliche Spuren beim Konsumverhalten hinterlassen. Laut einer im Februar durchgeführten YouGov-Umfrage kauft jeder Zweite (52 Prozent) deutlich oder etwas weniger Schokolade als vor zwei Jahren. Nur 39 Prozent kaufen etwa gleich viel, während lediglich 5 Prozent mehr konsumieren.
Für die Hersteller hat diese Entwicklung spürbare Folgen: Nach Angaben des Marktforschers NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft – mehr als im vorherigen Weihnachtsgeschäft.
Ostergeschäft zeigt gemischtes Bild
Interessanterweise zeigt sich im Ostergeschäft ein widersprüchliches Bild: Obwohl die Rohstoffpreise gesunken sind, wurden die Preise für Produkte von Marken wie Lindt, Milka, Kinder und Ferrero erneut erhöht. Die Osterhasen aus Schokolade kosteten bis zu 29 Prozent mehr als vor Ostern 2025. Bereits im Vorjahr waren sie teurer geworden.
Trotzdem wurden Schoko-Osterhasen zuletzt auffallend oft in der Aktion und deutlich unter dem Normalpreis angeboten. Dies deutet auf eine komplexe Preispolitik der Hersteller hin, die zwischen Rohstoffkosten, Markenwert und Verbraucherakzeptanz abwägen müssen.
Lindt verzeichnete im vergangenen Jahr infolge der Preiserhöhungen einen Absatzrückgang von 6,6 Prozent. Die aktuellen Preissenkungen könnten daher ein Versuch sein, verlorene Kunden zurückzugewinnen und den Konsum wieder anzukurbeln.



