Japans Lebensmittelexporte haben im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordwert erzielt: Sie stiegen um 10,9 Prozent auf 897,7 Milliarden Yen (rund fünf Milliarden Euro). Das teilte das Agrarministerium in Tokio mit. Besonders gefragt waren grüner Tee, Rindfleisch, Äpfel und Reis. Die Exporte von grünem Tee legten sogar um 83,5 Prozent zu – angetrieben von der weltweit wachsenden Beliebtheit von Matcha, dem fein gemahlenen Pulver aus Grünteeblättern.
Matcha-Hype beflügelt Grüntee-Exporte
Der als gesund geltende Grüntee erfreut sich in westlichen Ländern zunehmender Beliebtheit – vor allem in Pulverform als Matcha. Das Ministerium führt den Boom auf das weltweit steigende Interesse an der japanischen Küche, ein durch den wachsenden Tourismus geschärftes Interesse an japanischen Produkten sowie ein zunehmendes Gesundheitsbewusstsein zurück. Matcha wird nicht nur als Tee getrunken, sondern auch in Smoothies, Desserts und sogar herzhaften Gerichten verwendet.
Die USA sind der größte Absatzmarkt für japanische Lebensmittel. Die Ausfuhren dorthin stiegen um 15,3 Prozent auf 162,6 Milliarden Yen (rund 895 Millionen Euro). Auch die Lieferungen nach China nahmen zu, obwohl Peking weiterhin Einfuhrbeschränkungen für japanische Meeresfrüchte aufrechterhält.
Tokio will Abhängigkeit von China verringern
Japan versucht gezielt, seine wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu reduzieren. Dazu erschließt das Land neue Märkte in Asien und den USA. Die Volksrepublik hatte im August 2023 einen Importstopp verhängt, nachdem Japan begonnen hatte, aufbereitetes Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer zu leiten. Im Juni 2025 wurde das Verbot teilweise aufgehoben, doch Peking schränkt die Einfuhr von Meeresfrüchten aus zehn Präfekturen, darunter Fukushima und Tokio, weiterhin ein.
Die japanische Regierung strebt an, die jährlichen Exporte der Lebensmittelbranche bis 2030 auf fünf Billionen Yen (rund 27,5 Milliarden Euro) zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, werde die Regierung den Vertrieb über örtliche Supermärkte und Restaurants ausbauen, die Exportmärkte diversifizieren und die heimische Produktionskapazität stärken, sagte ein Vertreter des Agrarministeriums.
Grüntee als Exportschlager
Der Grüntee-Boom ist ein zentraler Treiber des Exportwachstums. Die Nachfrage nach Matcha ist insbesondere in Nordamerika und Europa stark gestiegen. In den USA hat sich Matcha von einem Nischenprodukt zu einem Mainstream-Getränk entwickelt, das in zahlreichen Cafés und Restaurants angeboten wird. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern erfreut sich das grüne Pulver wachsender Beliebtheit, nicht zuletzt wegen seiner gesundheitlichen Vorteile, wie hoher Antioxidantiengehalt und fördernde Wirkung auf den Stoffwechsel.
Die japanische Teeindustrie profitiert von diesem Trend. Kleine Teebauern, die traditionell auf den Inseln Uji und Shizuoka anbauen, verzeichnen steigende Umsätze. Viele von ihnen haben ihre Produktion auf Matcha umgestellt, um der Nachfrage gerecht zu werden. Die Regierung unterstützt diese Entwicklung, indem sie Messen und Verkostungen im Ausland fördert und Exportzertifizierungen vereinfacht.
Zukunftsperspektiven
Die Rekordzahlen sind ein positives Signal für die japanische Wirtschaft, die unter der schwachen Binnenkonjunktur leidet. Der Exportboom trägt zur Stabilisierung der ländlichen Regionen bei, in denen viele Lebensmittelproduzenten ansässig sind. Die Regierung hofft, dass der Trend anhält und weitere Produkte wie Wagyu-Rindfleisch, Sake und Obst von der internationalen Nachfrage profitieren.
Bis 2030 sollen die Exporte auf fünf Billionen Yen gesteigert werden. Das Ministerium setzt dabei auf eine verstärkte Präsenz in Supermärkten und Restaurants im Ausland, den Ausbau von E-Commerce-Kanälen und die Förderung von Food-Tourismus. Die Diversifizierung der Absatzmärkte ist ein zentraler Bestandteil der Strategie, um Risiken zu minimieren und langfristig unabhängiger von einzelnen Ländern zu werden.



