Deutscher Mittelstand unter Druck: Chinesische Konkurrenz wächst in Qualität und Preis
Mittelstand spürt wachsende Konkurrenz aus China

Deutscher Mittelstand im Wettbewerbsstress: China wird zum vielseitigen Herausforderer

Frankfurt/Main – Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die wirtschaftlichen Beziehungen zu China vertiefen möchte, wächst in den Chefetagen des deutschen Mittelstands die Besorgnis. Eine aktuelle Sonderbefragung der staatlichen Förderbank KfW offenbart: Fast jeder fünfte der 3,9 Millionen hiesigen Mittelständler – genau 19 Prozent – empfindet einen steigenden Wettbewerbsdruck durch Anbieter aus Fernost. Die Studie basiert auf dem KfW-Mittelstandspanel, an dem im September 2025 rund 2.500 Unternehmen teilnahmen.

Nicht nur Preisvorteile: Qualität wird zum entscheidenden Faktor

„Die chinesischen Wettbewerber konkurrieren nicht mehr ausschließlich mit günstigen Preisen, sondern zunehmend mit einer verbesserten Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen“, heißt es in der Analyse der KfW. Diese Entwicklung stellt den deutschen Mittelstand vor neue Herausforderungen, die über reine Kostendiskussionen hinausgehen.

Besonders deutlich zeigt sich der Druck in der deutschen Industrie: 28 Prozent der Unternehmen berichten von wachsender Konkurrenz durch Qualitätsprodukte aus China, während sogar 34 Prozent den Preiswettbewerb als problematisch empfinden. Auch der Groß- und Einzelhandel spürt die fernöstliche Konkurrenz deutlich.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Industrie und Handel besonders betroffen

Insgesamt betrachten 13 Prozent aller mittelständischen Betriebe die Konkurrenz aus China als eine ihrer zentralen Herausforderungen. In bestimmten Branchen fällt dieser Anteil jedoch deutlich höher aus:

  • 29 Prozent der Industrieunternehmen sehen China als wesentliche Herausforderung
  • 24 Prozent der Handelsbetriebe empfinden ähnlichen Druck

Die KfW warnt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen ihre Zukunft pessimistisch beurteilen, steigt stark, wenn sie direkte Wettbewerber in China haben oder wenn sie besonders energieintensiv produzieren.“

Bürokratie als größtes Hindernis für die Wettbewerbsfähigkeit

Für international agierende Unternehmen stellt die deutsche Bürokratie das größte Problem dar. 65 Prozent der Befragten halten administrative Hürden für problematisch – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023. Weitere Belastungsfaktoren sind:

  1. Hohe Steuern (60 Prozent)
  2. Teure Energie (41 Prozent)

China bleibt unverzichtbarer Handelspartner

Trotz der wachsenden Konkurrenz profitiert auch ein erheblicher Teil des Mittelstands vom Handel mit China. Rund 19 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen nutzen chinesische Importe, um Kosten zu sparen oder ihr eigenes Angebot zu verbessern.

Die wirtschaftliche Verflechtung bleibt intensiv: China ist weiterhin Deutschlands wichtigster Handelspartner, noch vor den USA. Allerdings hat sich die Volksrepublik inzwischen zu einem ernsthaften Konkurrenten in Schlüsselindustrien entwickelt – insbesondere bei Maschinenbau, Chemie und Automobilen.

Handelsströme verschieben sich

Die aktuellen Handelsdaten zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung: Während die deutschen Exporte nach China 2025 laut Statistischem Bundesamt um gut neun Prozent einbrachen, verzeichneten die Importe aus Fernost ein kräftiges Wachstum. Ökonomen vermuten, dass China aufgrund des Zollstreits mit den USA verstärkt Waren nach Deutschland umleitet.

Bundeskanzler Merz betonte bei seinem jüngsten Treffen mit Ministerpräsident Li Qiang in Peking die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen und will diese weiter ausbauen. Gleichzeitig sucht er auf seiner China-Reise nach neuen Chancen für die deutsche Wirtschaft in diesem komplexen Wettbewerbsumfeld.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration