Münchner Wirt zu steigenden Gastro-Preisen: "Schnitzel würde 35 Euro kosten"
Ein Versprechen von Ministerpräsident Markus Söder, steigende Preise in Restaurants und verärgerte Leser – die Debatte um die Gastronomie in Bayern nimmt Fahrt auf. Jetzt schaltet sich ein Münchner Wirt aus der Innenstadt ein und liefert eine deutliche Erklärung.
Späte Entscheidung der Politik belastet Wirte
Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte und Chef des Augustiner Klosterwirts an der Frauenkirche, verteidigt seine Kollegen gegen Kritik. Seit Jahresbeginn gilt die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen, die Söder als Entlastung für Bürger angekündigt hatte. Doch die Gastro-Preise in Bayern stiegen im Januar trotzdem um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Lemke betont, dass viele Wirte die Kostensteigerungen im letzten Jahr selbst getragen haben, ohne die Preise zu erhöhen. Der jetzige Anstieg sei auf generell gestiegene Kosten und den späten Beschluss der Politik zurückzuführen. "Wenn die Politik sich nicht erst am 19. Dezember final entschieden hätte, wäre der Preisanstieg geringer ausgefallen", so der Wirt. Für die kommenden Monate erwartet er jedoch Stabilität und keinen weiteren Anstieg.
Warum die Steuersenkung nicht weitergegeben werden kann
Die Branche stehe mit dem Rücken zur Wand, erklärt Lemke. Hätten die Wirte die vollen Kosten an die Kunden weitergegeben, wären drastische Preise die Folge. "Da kämen wir in Bereiche, in denen man für ein Schnitzel 35 bis 38 Euro verlangen müsste", warnt er. Selbst in der Münchner Innenstadt, wo Kasspatzn für 22 Euro angeboten werden, zögere er bei solchen Beträgen.
Sein Fokus liegt jedoch auf ländlichen Regionen. "Wir reden hier nicht über die Innenstadtwirte, weil wir in der Stadt betriebswirtschaftlich gut leben können – es geht um die große Breite der Gastronomie in Dörfern und auf dem Land", sagt Lemke. Dort sei die Steuersenkung das Mindeste, um gesellschaftlich relevante Betriebe zu erhalten. Sein Appell an die Gäste: "Geht zu eurem Wirt, sonst ist er bald nicht mehr da."
Politische Kritik und fehlende Kommentare
Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn hatte Söder scharf kritisiert, da dessen Versprechen der Entlastung nicht eingelöst worden sei. Auf Lemkes Ausführungen reagiert von Brunn mit einer klaren Position: Die Kalkulationsentscheidungen der Wirte seien deren Sache, aber ihm gehe es um die falschen Versprechungen von Söder. "Ich wusste schon vorher von Gastwirten, dass sie die Senkung nicht weitergeben werden. Das habe ich im Landtag auch gesagt", so der Abgeordnete. Interessanterweise höre man jetzt gar nichts mehr von Söder dazu.
Finanzministerium, Staatskanzlei und CSU-Landesleitung ließen Anfragen bisher unkommentiert. Lemke betont, dass die Lage für alle schwierig bleibt und einen Kompromiss erfordert. "Es hilft nichts, wenn der Wirt nichts mehr verdient und genauso wenig, wenn es sich der Gast nicht mehr leisten kann", resümiert er.



