Otto streicht erneut fast 460 Vollzeitstellen: Hamburger Versandhändler setzt Sparprogramm fort
Der Hamburger Handels- und Versandkonzern Otto plant einen weiteren massiven Personalabbau. Nachdem vor genau einem Jahr bereits knapp 500 Mitarbeiter im Kundenservice entlassen wurden, sollen nun in anderen Unternehmensbereichen ähnlich viele Stellen gestrichen werden. Insgesamt sind fast 460 Vollzeitstellen betroffen.
Radikale Stellenstreichungen bei Otto
Bei dem Onlinehändler Otto stehen offenbar radikale Stellenstreichungen bevor. »Diese schwierige Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen und ist das Ergebnis mehrmonatiger, konstruktiver Verhandlungen mit dem Otto-Betriebsrat«, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Konzerns. Der umfassende Umbauprozess im Hamburger Unternehmen läuft bereits seit Februar 2025, als externe Berater begannen, die Unternehmensstrukturen systematisch zu durchleuchten.
Strategische Neuausrichtung des Konzerns
Der Konzern verknüpft den Stellenabbau mit einer strategischen Neuausrichtung: Das klassische Versandgeschäft verliert zunehmend an Bedeutung. Stattdessen soll das Marktplatz- und Plattformgeschäft ausgebaut und interne Prozesse stärker digitalisiert werden. Diese Transformation soll zu Kostensenkungen von insgesamt 110 Millionen Euro führen.
Kern des aktuellen Programms ist ein massiver Personalabbau, der sich durch mehrere Bereiche des Konzerns zieht. Begonnen hat dieser bereits mit umfassenden Streichungen im Kundenservice, wo im vergangenen Jahr 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze in den Callcentern verloren haben. Der telefonische Kundenkontakt verliert an Bedeutung, da viele Anfragen heute über Self-Service-Angebote, Apps und digitale Kanäle abgewickelt werden.
Unsicherheit in der Belegschaft
Für viele Beschäftigte bedeutet die aktuelle Situation eine Phase großer Unsicherheit. Konkrete Namenslisten und Detailpläne zum weiteren Personalabbau stehen teilweise noch aus. Das Unternehmen teilte auf Anfrage mit, dass Veränderungen im Marketing, im Controlling sowie in den Tech-Bereichen vorgesehen sind.
Otto kündigte an, die anstehenden Veränderungen »so fair, respektvoll, transparent und sozialverträglich wie möglich« zu gestalten. Für die betroffenen Mitarbeiter sollen verschiedene Unterstützungsangebote bereitgestellt werden:
- Altersteilzeit-Angebote
- Abfindungsangebote
- Möglichkeit eines Wechsels in eine Transfergesellschaft
Eine solche Transfergesellschaft übernimmt Arbeitnehmer befristet, qualifiziert sie weiter und bringt sie im günstigsten Fall wieder auf dem Arbeitsmarkt unter. Der Konzern betont, dass alle Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat entwickelt wurden.
Der Personalabbau bei Otto spiegelt einen grundlegenden Wandel im Einzelhandel wider, bei dem traditionelle Geschäftsmodelle zunehmend durch digitale Plattformen und automatisierte Prozesse ersetzt werden. Die Entwicklung bei dem Hamburger Traditionsunternehmen wird als Indikator für ähnliche Veränderungen in der gesamten Branche gesehen.



