Investoren in Pasewalk kritisieren Stadtwerke: Blockieren sie die wirtschaftliche Entwicklung?
Pasewalker Investoren kritisieren Stadtwerke als Entwicklungsbremse

Investoren in Pasewalk kritisieren Stadtwerke: Blockieren sie die wirtschaftliche Entwicklung?

In der vorpommerschen Stadt Pasewalk haben sich mehrere Investoren mit deutlicher Kritik an den örtlichen Stadtwerken an die Öffentlichkeit gewandt. Sie werfen dem kommunalen Versorgungsunternehmen vor, wichtige Wirtschaftsprojekte durch Verzögerungen und Ablehnungen zu behindern. Der Vorwurf reicht von mangelnder Dienstleistungsorientierung bis hin zur aktiven Verhinderung von Investitionen in Millionenhöhe.

Batteriespeicherprojekt stand vor dem Scheitern

Christian Vogl, Geschäftsführer der GRW Projekte GmbH, zeigt sich zwar erleichtert über einen kürzlich unterzeichneten Vertrag für eine Batteriespeicheranlage auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes. Das 50-Millionen-Euro-Projekt soll die Energieinfrastruktur in Pasewalk stärken und der Stadt über drei Jahrzehnte erhebliche Steuereinnahmen sichern. Doch Vogl berichtet auch von erheblichen Problemen: „Das Projekt stand zeitweise vor dem Scheitern“, erklärt er. Die Stadtwerke hätten über Wochen hinweg notwendige Freigaben für eine lediglich zwölf Meter lange Kabeltrasse nicht erteilt.

Nur durch das Engagement der Stadt und des Wasser- und Bodenverbandes Mittlere Uecker-Randow sei eine alternative Trassenführung außerhalb des Stadtwerke-Geländes gefunden worden. „Durch die Verzögerung ist uns ein großer Schaden entstanden“, so Vogl, der eine Aufklärung durch den Aufsichtsrat der Stadtwerke fordert.

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Solaranlagen warten auf Anschluss

Stefan Burmeister, Geschäftsführer der Leuchtenbau Pasewalk GmbH, berichtet von ähnlichen Erfahrungen. Auf der Produktionshalle seines Unternehmens im Rothenburger Weg sei seit eineinhalb Jahren eine Solaranlage installiert, die jedoch noch immer nicht an das Stromnetz angeschlossen sei. „Dafür haben wir bereits 300.000 Euro investiert“, sagt Burmeister. Auch hier seien durch die Verzögerungen wirtschaftliche Schäden entstanden.

Ein geplantes „Mieterkonzept“ für benachbarte Hallen, darunter eine des Discounters Philipps, komme seit einem Jahr nicht voran. „Der Ausbau dieses Gewerbestandortes und somit die Sicherung von Arbeitsplätzen wird damit behindert“, kritisiert Burmeister. Inzwischen überlege man sogar, den Stadtwerken als Stromkunde den Rücken zu kehren.

Wohnungsbauprojekt stockt

Sebastian Jacobs, der in der Straße Am Bahnhof 3 ein Mehrfamilienhaus sanieren will, wartet auf Strom-, Wasser- und Gasanschlüsse. Obwohl eine Baugenehmigung vorliegt, die Finanzierung geklärt ist und der Bedarf an sozialgebundenem Wohnraum bestätigt wurde, komme das Projekt nicht voran. Der Strom-Hausanschluss sei für 2025 abgelehnt und für 2026 in die Vorplanung aufgenommen worden, dann aber erneut gestrichen worden.

„Man hat den Eindruck, dass die Stadtwerke nicht als Dienstleister agieren, sondern den Bürgern und Investoren dieser Stadt zusätzliche Steine in den Weg legen“, meint Jacobs. Er fordert verbindliche Angebote und Ausführungstermine für die Hausanschlüsse.

Wasserstoff-Kraftwerk ohne Wasserversorgung

Das Energieunternehmen Enertrag aus der Uckermark ist seit knapp zwei Jahren mit den Stadtwerken Pasewalk im Gespräch über einen Liefervertrag für Wasser, das für ein geplantes Wasserstoff-Kraftwerk im Industriepark benötigt wird. Bislang sei keine Einigung erzielt worden, so ein Mitarbeiter. Daher prüfe man alternative Versorgungsmöglichkeiten.

Stadtwerke weisen Vorwürfe zurück

Stadtwerke-Geschäftsführer Rüdiger Behrendt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Christian Vogl habe nach drei Wochen eine Ablehnung zum Antrag der Trassenführung bekommen. „Das ist alles andere als eine Verzögerung“, betont Behrendt. Das betreffende Grundstück befinde sich in unmittelbarer Nähe zu einem Heizhaus und einer schützenswerten Erzeugungsanlage.

Bezüglich Enertrag erklärt Behrendt, die gewünschte Wassermenge liefern zu können, aber keine 30-jährige Garantie geben zu können. „Wenn etwas mit der Wasserlieferung passiert, sind die Stadtwerke schadensersatzpflichtig. Das ist ein existenzbedrohendes Risiko“, so der Stadtwerke-Chef.

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Das Grundstück am Bahnhof müsse komplett neu erschlossen werden, da die bisherige Versorgung über die Deutsche Bahn erfolgte. „Für uns ist das wie eine grüne Wiese, eine Neuerschließung. Die plant man schon einmal über drei Jahre“, macht Behrendt deutlich.

Bürgermeister sieht Stadt in Verruf

Pasewalks Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos) äußert Verständnis für die Bedenken der Investoren. „Die gravierenden Vorwürfe bringen unsere Stadt über die Grenzen hinaus in Verruf“, sagt er. Zwar sei er froh, mit dem Batteriespeicherinvestor eine Lösung gefunden zu haben, doch gehe er davon aus, dass dem Aufsichtsrat das Ausmaß der Probleme nicht bekannt sei.

Rodewald bestätigt, dass Enertrag nach eineinhalb Jahren versuchter Zusammenarbeit mit den Stadtwerken einen Hilferuf an ihn gerichtet habe. Bis heute lägen keine erkennbaren Ergebnisse vor. „Umso bedauerlicher ist es, zu hören, dass Enertrag bereits mit anderen Unternehmen eine Einigung zur Wasserlieferung anstreben muss“, so der Bürgermeister.

Die kontroverse Diskussion zeigt, wie schwierig der Spagat zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und infrastrukturellen Herausforderungen in einer kleineren Stadt wie Pasewalk sein kann. Während die Investoren auf zügige Umsetzung ihrer Projekte drängen, verweisen die Stadtwerke auf technische, rechtliche und planerische Hürden, die nicht kurzfristig zu überwinden seien.