Brumadinho-Katastrophe: Prozess gegen TÜV Süd und Vale wegen 272-fachen Mordes gestartet
Prozess zu Brumadinho-Dammbruch gegen TÜV Süd und Vale

Historischer Prozess nach verheerender Dammkatastrophe in Brasilien

Sieben Jahre nach der verheerenden Umweltkatastrophe von Brumadinho hat in Brasilien ein historischer Strafprozess begonnen. Gegen 16 Mitarbeiter des Bergbaukonzerns Vale und der TÜV-Süd-Tochtergesellschaft, die für die Zertifizierung des Damms verantwortlich waren, wird nun wegen 272-fachen Mordes und schwerer Umweltverbrechen verhandelt.

Die tödlichste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens

Am 25. Januar 2019 brach das Rückhaltebecken einer Eisenerzmine nahe der Kleinstadt Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais. Rund 13 Millionen Kubikmeter toxischer Schlamm mit Schwermetallrückständen begruben 272 Menschen unter sich und verwüsteten die Region. Die giftigen Bergbaurückstände verseuchten den Fluss Rio Doce auf seiner gesamten Länge bis zur Mündung in den Atlantischen Ozean und verursachten langfristige ökologische Schäden.

Nur vier Monate vor der Katastrophe hatte TÜV Süd den Damm offiziell für stabil erklärt, obwohl den beteiligten Experten die Sicherheitsrisiken bekannt gewesen sein sollen. Unter Beteiligung von Vale-Mitarbeitern wurde dennoch eine positive Stabilitätsbescheinigung ausgestellt, die nun im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens steht.

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Umfangreiches Gerichtsverfahren mit zahlreichen Zeugen

Der Prozess begann am Montag in Belo Horizonte, der Hauptstadt von Minas Gerais, und ist auf ein umfangreiches Verfahren ausgelegt. Insgesamt 166 Zeugen sollen in 76 Gerichtssitzungen gehört werden, die sich voraussichtlich bis Mai 2027 hinziehen werden. Unter den Angeklagten befinden sich elf Mitarbeiter von Vale und vier Mitarbeiter der TÜV-Süd-Tochtergesellschaft.

Der ehemalige Vale-Präsident Fábio Schvartsman wurde zunächst von dem Verfahren ausgeschlossen, doch die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen diesen Ausschluss eingelegt. Das Gericht muss nun über seine mögliche Einbeziehung in den Prozess entscheiden.

Parallelverfahren in Deutschland verzögert sich

Parallel zum brasilianischen Strafprozess läuft in Deutschland ein zivilrechtliches Verfahren, das sich jedoch erheblich verzögert. Das katholische Hilfswerk Misereor, das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und mehr als 1400 Hinterbliebene der Opfer hatten bereits im Oktober 2019 in München Strafanzeige gegen TÜV Süd und einen Mitarbeiter erstattet.

Die Kläger fordern Schadensersatz in Höhe von mehr als 582 Millionen Euro, doch das Ermittlungsverfahren ist bis heute nicht abgeschlossen. Cannelle Lavite vom ECCHR kritisiert diese Verzögerung als Ausdruck einer organisierten Verantwortungslosigkeit in der Zertifizierungsbranche des Bergbausektors.

Fehlende Rechenschaftspflicht führt dazu, dass systemische Versäumnisse fortbestehen, und erschwert Betroffenen den Zugang zu Gerechtigkeit sowie die Verhinderung künftiger Schäden, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation.

Kritik an mangelnder Unternehmensverantwortung

Armin Paasch, Misereor-Experte für Wirtschaft und Menschenrechte, äußerte sich deutlich zu den Vorgängen: Es kann nicht angehen, dass Konzerne Umwelt- und Menschenrechtsstandards missachten und die Konsequenzen ungestraft auf die Menschen und die Gesellschaft abwälzen, um Wachstum und Profite zu sichern.

Der Prozess in Brasilien wird international aufmerksam verfolgt, da er grundsätzliche Fragen zur Verantwortung von Zertifizierungsunternehmen und Bergbaukonzernen bei Umweltkatastrophen aufwirft. Die Aufarbeitung der Brumadinho-Katastrophe könnte wegweisend für ähnliche Fälle weltweit werden und zu strengeren Regulierungen in der Bergbauindustrie führen.

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