In München startet dieser Tage ein Pilotprojekt für Robotertaxis. Zunächst soll ein erstes Fahrzeug zwischen Isar und Olympiapark unterwegs sein – noch mit Sicherheitsfahrer. Ab Frühsommer 2027 sollen die Wagen dann aber vollständig autonom fahren, wenn alles nach Plan läuft. Sieht so die Mobilität der Zukunft aus?
Hintergrund des Projekts
Dahinter steht das israelisch-deutsche Unternehmen Autobrains. Partner sind unter anderem Uber und der US-Chiphersteller Nvidia. Der Fahrplan ist ambitioniert: Bereits im ersten Quartal 2027 sollen alle Uber-Nutzer in München Robotertaxis bestellen können. Bis Ende 2028 will Autobrains den Dienst in 20 europäischen Städten und mehreren Metropolen in Südostasien anbieten. Rückenwind geben prominente Investoren: Zu den Geldgebern zählen die Venture-Arme von BMW und Toyota, außerdem Continental, Knorr-Bremse und Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann.
Technologie von Autobrains
Autobrains arbeitet derzeit mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Tel Aviv und München an dem Projekt. Das 2019 von Igal Raichelgauz gegründete Unternehmen setzt zum Start ausschließlich auf Kameras – keine Radar- oder Lidartechnik. Statt riesiger Trainingsdatensätze und hochauflösender Karten arbeiten mehrere KI-Agenten, die Verkehrssituationen interpretieren und Fahrentscheidungen ableiten. Das soll Datenaufwand und Rechenleistung reduzieren und so letztlich mit weniger, günstigeren Nvidia-Chips auskommen.
Satellitenbilder reichten als Kartenbasis, sagte Raichelgauz der „Welt“. „Das Auto hat bereits bei seiner ersten Fahrt durch München keinen Eingriff vom Sicherheitsfahrer benötigt“, betonte er. Sollte die deutsche Regulierung weitere Sensorik verlangen, könnten Radarsensoren ergänzt werden. Ob Lidar nötig ist, bleibt auch bei der Konkurrenz umstritten – Waymo nutzt es, Tesla verzichtet ebenfalls darauf.
Standortvorteil Deutschland
Nach Angaben von Autobrains arbeitet das Unternehmen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt und der Stadt München zusammen. Eine Sprecherin des Mobilitätsreferats wollte die Angaben dem Bericht zufolge zwar nicht kommentieren. Raichelgauz sagte jedoch: „München ist als erste europäische Stadt für uns ideal, weil Deutschland weltweit für ein hohes Sicherheits- und Regulierungsniveau bekannt ist.“
Zunächst sei der Betrieb auf etwa 40 Prozent der Stadtfläche und Höchstgeschwindigkeiten bis 110 km/h begrenzt. Die Zone solle zügig erweitert werden. Parallel testet Autobrains im deutlich dichteren Verkehr von Hanoi. Besteht das System beide Umgebungen, sieht die Firma es als weltweit einsatzfähig an.
Auswirkungen auf Taxifahrer
Finanzieren sollen die Ausweitung private Flottenbetreiber, etwa Taxiunternehmen, die bereits mit Uber arbeiten. Sie könnten ihre Flotten um Fahrzeuge mit Autobrains-Technik auf Nvidia-Basis ergänzen. Heißt also: Auch Taxifahrer, die trotz der steigenden Konkurrenz im Gewerbe bisher nicht um ihren Job fürchten mussten, könnten nun endgültig vor dem Aus stehen.
Zudem sucht das Unternehmen noch nach mitwirkenden Autoproduzenten. Prinzipiell sei jedes E-Auto mit elektronischer Lenkung geeignet, so Raichelgauz im Gespräch mit „Welt“. Ein Unternehmensvideo zeigt Tests mit VW und Ford Mustang; die Kameras sitzen derzeit in einem Dachaufbau und sollen künftig unscheinbarer integriert werden.



