Vom DDR-VEB zum Marktführer: Die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte von Rotkäppchen Sekt
Rotkäppchen Sekt: Vom DDR-VEB zum Marktführer (20.02.2026)

Vom DDR-VEB zum Marktführer: Die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte von Rotkäppchen Sekt

In der Kaufhalle oder im Konsum der DDR war Rotkäppchen Sekt oft nur als Bückware erhältlich, ein Luxusprodukt, das Beziehungen erforderte. Nach der Wende brach der Absatz dramatisch ein, viele Arbeitsplätze gingen verloren. Heute jedoch erzielt das frühere DDR-Unternehmen wieder Milliardenumsatz und ist ein führender Name in der deutschen Sektbranche.

Historische Wurzeln und DDR-Zeit

Die Geschichte der Kellerei begann 1856, als die Brüder Moritz und Julius Kloss sowie Carl Foerster im Weinbaugebiet Saale-Unstrut eine Weinhandlung eröffneten. Schnell stiegen sie in die Sektherstellung ein, füllten anfangs 6.000 Flaschen in einer Wohnung ab und errichteten 1887 ein fünfstöckiges Kellereigebäude, das bis heute als Herzstück dient. Seit 1894 trägt die Marke den Namen Rotkäppchen Sekt. In der DDR wurde das Unternehmen zum VEB Rotkäppchen Sektkellerei Freyburg verstaatlicht, nachdem die sowjetische Militärverwaltung es 1946 übernahm und Günther Kloss trotz Freispruchs enteignet wurde.

Während der DDR-Ära entwickelte Rotkäppchen innovative Produkte wie einen Sekt für Diabetiker 1966 und den zufällig erfundenen Mocca-Sekt 1971. Durch Investitionen in Technik, etwa die Umstellung auf das Transvasierverfahren, stieg die Produktion in den 1980er Jahren auf über 10 Millionen Liter. 1987 erreichte der Absatz mit 15,3 Millionen Flaschen einen Höchststand, wobei Kunden bis zu 23 Mark pro Flasche zahlten.

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Krise nach der Wende und Wiederaufstieg

Nach der Wiedervereinigung brach der Umsatz massiv ein: 1990 sank der Absatz auf nur 1,8 Millionen Flaschen, und die Belegschaft wurde von 365 auf 66 Beschäftigte reduziert. Anke Schertling, Leiterin der Herstellung, erinnert sich an Kurzarbeit und Lagerüberhänge, da Handelsketten DDR-Produkte aussortierten. Doch die Mitarbeiter gaben nicht auf, besuchten Märkte und präsentierten den Sekt mit dem Motto: „Wir sind noch da!“

1992 retteten der Geschäftsführer Gunter Heise, langjährige Mitarbeiter und der Investor Harald Eckes-Chantré das Unternehmen vor dem Aus, indem sie es von der Treuhand kauften. Heise setzte sogar seinen roten Opel Kadett als Sicherheit ein. Diese Initiative zahlte sich aus: Der Absatz stieg auf 5,7 Millionen Flaschen, und 1995 erreichte Rotkäppchen in den neuen Bundesländern die Spitzenposition als meistverkaufter Sekt.

Marketing und Expansion

Ein legendärer Werbespot von 2000, in dem eine Frau im roten Kleid am Bahnhof ihren Liebsten mit Sekt überraschte, prägte das Markenimage für 17 Jahre. 2001 wurde Rotkäppchen zur erfolgreichsten Sektmarke Deutschlands. Das Unternehmen diversifizierte sein Angebot, brachte 2006 Rot- und Weißweine auf den Markt und übernahm 2006 das deutsche Geschäft der Eckes Spirituosen & Wein GmbH, wodurch Traditionsmarken wie CHANTRÉ und Echter Nordhäuser ins Portfolio kamen.

Weitere Innovationen folgten, darunter Fruchtsecco 2014, Glühwein 2020 und Rot Lieblich 2023. Vor zwei Jahren eröffnete die Rotkäppchen Erlebniswelt in Freyburg, eine moderne Ausstellung auf 1.400 m², die Besuchern interaktive Einblicke in die Geschichte bietet. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 1.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet an mehreren Standorten einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

Die Geschichte von Rotkäppchen Sekt zeigt, wie ein DDR-Produkt durch Beharrlichkeit, Innovation und cleveres Marketing nicht nur überlebte, sondern zum Marktführer aufstieg. Von den Anfängen 1856 bis zur heutigen Erfolgsstory ist dies ein Beispiel für unternehmerische Resilienz in bewegten Zeiten.

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