Russischer Eigentümer lässt 300 deutsche Mitarbeiter im Stich: Traditions-Pharmaunternehmen meldet Insolvenz an
Das bayerische Pharmaunternehmen R-Pharm Germany GmbH hat beim Amtsgericht Neu-Ulm ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Der 177 Jahre alte Arzneimittel-Hersteller mit Sitz in Illertissen gehört seit 2014 zu einem gleichnamigen russischen Konsortium und geriet durch die internationalen Sanktionen gegen Russland in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Monatelange Gehaltsausfälle für 300 Beschäftigte
Der vorläufige Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Markus Fröhlich bestätigt gegenüber Medien, dass die rund 300 Mitarbeiter des Unternehmens in den ersten Monaten des Jahres 2026 kein Gehalt erhalten haben. Die Geldüberweisungen aus Russland seien nahezu unmöglich geworden, erklärt Torsten Falke, Bezirksleiter der zuständigen Branchengewerkschaft IGBCE. Die Sanktionen hätten zu erheblichen Unsicherheiten bei Kunden und Geschäftspartnern geführt, was sich negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirkte.
Eingeschränkter Betrieb trotz Insolvenzverfahren
Das Unternehmen entwickelt, produziert und versendet Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel für Kunden in rund 150 Ländern weltweit. Der Betrieb am Standort Illertissen läuft trotz des Insolvenzverfahrens eingeschränkt weiter, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Das Amtsgericht Neu-Ulm hat Rechtsanwalt Markus Fröhlich zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, der nun retten soll, was zu retten ist.
Gute Voraussetzungen für eine Sanierung
In der Pressemitteilung erläutert Fröhlich, dass das Pharmaunternehmen über eine lange Tradition in der Entwicklung wirksamer Arzneimittelprodukte verfügt. Zudem gebe es hochmoderne Produktionsanlagen und ein gut qualifiziertes sowie engagiertes Team. Der Arzneimittel-Hersteller genieße in der Branche einen guten Ruf, stelle nachgefragte Produkte her und verfüge über einen internationalen Kundenstamm. „Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung, wenngleich die Ausgangssituation sicherlich nicht einfach ist“, so der Rechtsanwalt.
Suche nach neuen Investoren gestartet
Fröhlich und sein Team verschaffen sich derzeit einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Nach einer ersten Analyse sieht der vorläufige Insolvenzverwalter Chancen für eine Zukunftslösung. „Eine Zukunftslösung wird aber nur mithilfe eines neuen Investors möglich sein“, betont Fröhlich. Daher wird nun umgehend ein strukturierter Investorenprozess über ein spezialisiertes M&A-Beratungsunternehmen gestartet. Erste Interessenten haben sich bereits gemeldet.
Das Traditionsunternehmen, das seit fast zwei Jahrhunderten in Bayern ansässig ist, steht nun vor einer ungewissen Zukunft. Die Kombination aus russischer Eigentümerschaft und internationalen Sanktionen hat das einst florierende Pharmaunternehmen in die Insolvenz getrieben, während 300 Mitarbeiter auf ihre ausstehenden Gehälter warten.



