Das Schörghuber-Imperium: Wie Bier, Immobilien und Lachszucht den Münchner Erfolg sichern
Schörghuber-Imperium: Erfolgsgeheimnis aus Bier, Immobilien und Lachs

Das Schörghuber-Imperium: Wie Bier, Immobilien und Lachszucht den Münchner Erfolg sichern

Während die gesamte Brauereibranche unter rückläufigen Absätzen ächzt, schreibt ein Münchner Familienunternehmen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Die Schörghuber-Gruppe, vor allem bekannt durch die Paulaner Brauerei, verzeichnete 2025 trotz eines Branchenrückgangs von sechs Prozent ein Umsatzplus von 4,7 Prozent. Doch Bier ist nur ein Teil des Imperiums, das sich aus Immobilien, Luxushotels und sogar chilenischer Lachszucht zusammensetzt.

Vom Zimmermann zum Unternehmenspatriarchen

Alles begann 1954 mit dem gelernten Zimmermann und Bauingenieur Josef Schörghuber, der die Bayerische Hausbau gründete. Was als reines Baugeschäft startete, entwickelte sich schnell zu einem diversifizierten Konglomerat. Der visionäre Unternehmer erkannte Ende der 1970er Jahre eine einzigartige Chance, als Banken ihre Brauereibeteiligungen abstießen. 1979 übernahm er sowohl Hacker-Pschorr als auch Paulaner – nicht primär wegen des Biergeschäfts, sondern wegen der umfangreichen Immobilienportfolios der Brauereien.

„Die Brauereien hatten einen riesigen Immobilienbesitz“, bekannte Schörghuber später in einem Interview. Diese strategische Weitsicht legte den Grundstein für das heutige Milliarden-Imperium. Nach seinem Tod 1995 führte zunächst sein Sohn Stefan das Unternehmen, bevor nach dessen frühem Tod 2008 seine Witwe Alexandra Schörghuber die Leitung übernahm.

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Drei Säulen des Erfolgs

Die Stärke der Schörghuber-Gruppe liegt in ihrer cleveren Diversifikation. Drei Hauptgeschäftsfelder stützen sich gegenseitig und sorgen für stabile Erträge selbst in wirtschaftlich turbulenten Zeiten:

  1. Immobilien: Mit einem Portfolio im Wert von 3,3 Milliarden Euro bildet die aufgespaltene Bayerische Hausbau (jetzt Real Estate und Development) das finanzielle Fundament. Von der Entwicklung des Arabellaparks ab 1965 bis hin zu Filetstücken in der Münchner Altstadt wie dem Alten Hof oder dem Hugendubel-Haus prägt das Unternehmen das Stadtbild.
  2. Brauerei: Die Paulaner-Gruppe knackte 2024 erstmals die Milliarden-Umsatzmarke und trägt damit etwa die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Erfolgsfaktoren sind moderne Produktionsstätten, internationale Expansion (besonders in China) und die frühzeitige Fokussierung auf alkoholfreie Alternativen.
  3. Hotels und Lachszucht: Die Arabella Hospitality erzielte 307,3 Millionen Euro Umsatz, während die chilenische Lachszucht mit 221,2 Millionen Euro zur Diversifikation beiträgt.

Die dritte Generation übernimmt

Seit Oktober 2024 führt Florian Schörghuber, der 31-jährige Sohn von Stefan und Alexandra Schörghuber, das Unternehmen in dritter Generation. Seine Vision: mehr Eigenständigkeit für die einzelnen Konzerngesellschaften und Investitionen in neue Geschäftsfelder. „Vor fünf Jahren haben wir die Weichen für unsere Zukunft neu gestellt – bewusst und mit dem Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen“, erklärt der junge CEO.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bewertet die Unternehmensführung positiv. Betriebsratsvorsitzende werden in Umstrukturierungsprozesse eingebunden, Tarifverträge eingehalten und neue Arbeitsplätze geschaffen – etwa durch die moderne Brauerei in Langwied, die 50 Prozent ihres Strombedarfs selbst produziert.

Kritik und soziale Verantwortung

Trotz der wirtschaftlichen Erfolge gibt es auch kritische Stimmen. Der Münchner Mieterverein bemängelt, dass die Immobilienaktivitäten der Bayerischen Hausbau den Mietspiegel weiter nach oben treiben. „Schön wäre es, wenn ein Münchner Traditionsunternehmen besonders sozial agieren würde“, fordert ein Sprecher. Das Unternehmen verweist auf seine Beiträge zur Schaffung von Wohnraum und die Einhaltung der Sozialgerechten Bodennutzung.

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Zukunftsperspektiven

Die Strategie für die kommenden Jahre sieht vor, den Münchner Fokus beizubehalten, gleichzeitig aber internationale Investitionen auszuweiten. Erste Schritte wurden mit dem Kauf einer Londoner Immobilie und der Erschließung des italienischen Hotelmarktes bereits unternommen. Das Erfolgsrezept bleibt dabei unverändert: Die Kombination aus traditionellem Handwerk, strategischer Immobiliennutzung und innovativer Diversifikation – ein Erbe, das Florian und Alexandra Schörghuber vom legendären Gründer Josef übernommen haben und nun in die Zukunft führen.