Miguel López, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp, hat in einem Interview mit dem SPIEGEL klargestellt, dass er eine pauschale Krisenprämie von 1000 Euro für alle Beschäftigten ablehnt. „Ich werde den Stahl nicht verramschen“, sagte López und betonte, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen der Stahlbranche gezielte Maßnahmen erforderten.
Krisenprämie: Kein pauschaler Ansatz
López argumentierte, dass eine Einmalzahlung an alle Mitarbeiter nicht die richtige Antwort auf die aktuelle Krise sei. Stattdessen setze er auf differenzierte Lösungen, die die Leistung und die spezifische Situation der Belegschaft berücksichtigten. „Wir müssen das Geld dort einsetzen, wo es die größte Wirkung erzielt“, so der Thyssenkrupp-Chef. Die Stahlindustrie leide unter der schwächelnden Konjunktur, hohen Energiekosten und der Konkurrenz aus Asien.
Abrechnung mit Vorgängern
In dem Gespräch zog López auch eine kritische Bilanz der Arbeit seiner Vorgänger. Er warf ihnen vor, zu zögerlich agiert und notwendige Strukturreformen verschleppt zu haben. „Man hat zu lange auf eine Besserung gehofft, statt die Weichen für die Zukunft zu stellen“, sagte López. Er selbst wolle nun entschlossen handeln, um Thyssenkrupp wettbewerbsfähig zu machen. Dazu gehörten Investitionen in grünen Stahl und die Digitalisierung der Produktion.
López betonte, dass lokaler Stahl aus Deutschland viele Vorteile biete, etwa kurze Lieferwege und hohe Qualitätsstandards. „Wir müssen diese Stärken nutzen, um uns gegen die internationale Konkurrenz zu behaupten“, so der Manager. Die Transformation der Stahlbranche sei eine Jahrhundertaufgabe, die nur mit einer klaren Strategie und dem Engagement der Mitarbeiter gelingen könne.
Thyssenkrupp hatte zuletzt einen Umsatzrückgang und Verluste in der Stahlsparte verzeichnet. Die Gewerkschaft IG Metall fordert für die Beschäftigten eine Krisenprämie, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten abzufedern. López lehnt dies jedoch ab und verweist auf die angespannte finanzielle Lage des Konzerns. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagte er. „Die Sicherung der Arbeitsplätze hat für mich oberste Priorität.“



