Traditionsbetrieb nach 190 Jahren pleite: Fleischerei für Kreuzfahrtschiffe stellt Insolvenzantrag
Traditionsfleischerei nach 190 Jahren insolvent

Hamburger Traditionsfleischerei nach 190 Jahren vor dem Aus

Ein Stück Hamburger Wirtschaftsgeschichte droht zu verschwinden. Die Beisser Gebrüder GmbH, ein Unternehmen mit stolzen 190 Jahren Tradition, hat Insolvenz angemeldet. Die Fleischerei, die insbesondere für die Belieferung von Reedereien und Kreuzfahrtschiffen bekannt war, kämpft um ihr Überleben.

Coronapandemie und Energiekosten als Auslöser

Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin von der Hamburger Kanzlei SJPP erklärt die Gründe für die Schieflage: „Die Geschäftsführung verortet den Beginn der Krise in der Coronapandemie.“ Die Kreuzfahrtindustrie, die einstiger Hauptabnehmer des Unternehmens war, brach während der Reisebeschränkungen nahezu komplett ein. Zusätzlich belasteten die massiv gestiegenen Energiekosten die ohnehin angespannte wirtschaftliche Situation.

Auch der Werkverkauf im Hamburger Hafengebiet, direkt gegenüber der Elbphilharmonie gelegen, konnte das Unternehmen nicht mehr vor der Insolvenz bewahren. Die Maßnahmen reichten nicht aus, um die Verluste auszugleichen.

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Düstere Prognose für Mitarbeiter und Betrieb

Die Aussichten für das Traditionsunternehmen sind trübe. Der Insolvenzverwalter stellt fest: „Der Geschäftsbetrieb hat zuletzt erhebliche Verluste erwirtschaftet und erscheint nach erster Prüfung nicht dauerhaft fortführbar. Ohne eine Lösung droht ab April die Betriebseinstellung.“

Für die acht Mitarbeiter bedeutet dies große Unsicherheit. Während die Gehälter für Januar noch bezahlt wurden, übernimmt für Februar und März das Insolvenzgeld als Lohnersatzleistung von der Bundesagentur für Arbeit die Zahlungen.

Von kaiserlicher Jacht bis zur heutigen Krise

Die Geschichte der Beisser-Fleischerei begann im Jahr 1836 und ist geprägt von Expansion und Qualität. Das Unternehmen züchtete selbst Vieh und eröffnete eine eigene Fleischwarenfabrik. Mit seinen erstklassigen Produkten belieferte der Familienbetrieb einst sogar die kaiserliche Jacht „Hohenzollern“.

Doch die Geschichte kennt auch frühere Krisen. Bereits in den 1920er-Jahren durchlebte das Unternehmen schwierige Zeiten. Den Zweiten Weltkrieg überstand nur das Ladengeschäft in der prominenten Mönckebergstraße in Hamburg.

Verwirrende Namensgleichheit in Hamburg

Interessant ist die Namenssituation in Hamburg. Es gibt zwei weitere Unternehmen mit dem Namen Beisser:

  • Die Beisser Stammhaus GmbH & Co. KG betreibt Ladengeschäfte und einen Online-Shop
  • Die Beisser Gastronomie GmbH & Co. KG führt ein Restaurant

Diese beiden Unternehmen der Beisser Geschäftsführungs GmbH haben jedoch nichts mit der insolventen Beisser Gebrüder GmbH zu tun. In den 1960er Jahren hatte sich die Beisser Gebrüder GmbH abgespalten. Heute verbindet die Unternehmen nur noch der Firmenname, nicht aber wirtschaftliche oder familiäre Beziehungen.

Branchenweite Herausforderungen in der Fleischindustrie

Die Beisser Gebrüder GmbH steht nicht allein da mit ihren Problemen. Die gesamte Fleischbranche befindet sich im Umbruch:

  1. Eine Fleischfabrik in Hilden schließt in wenigen Tagen ihre Tore
  2. Insgesamt nimmt die Fleischproduktion in Deutschland ab
  3. Andere Unternehmen kämpfen ebenfalls mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten

Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Die insolvente Fleischfabrik Hein soll zum 1. März von einem Fleischkonzern übernommen werden, was für die 320 Mitarbeiter die Rettung bedeuten würde. Eine Würstchenfirma aus Sachsen-Anhalt hat sich zudem gerade erst erfolgreich aus der Insolvenz gerettet.

In Hamburg hofft man weiter auf eine Lösung für die traditionsreiche Fleischerei, deren Schicksal eng mit der Geschichte der Hansestadt verbunden ist. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Unternehmen nach 190 Jahren doch noch eine Zukunft hat oder ob ein weiteres Stück Hamburger Tradition verloren geht.

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