Vom DDR-Farbkasten zum Exportschlager: Die Erfolgsgeschichte von Varia Mügeln
Die bunten Farbkästen des VEB Varia Mügeln waren ein fester Bestandteil in jedem DDR-Schulranzen und begleiteten bereits die Kleinsten im Kindergarten bei ihren ersten Malversuchen. Was viele nicht wissen: Diese beliebten Malutensilien entwickelten sich zu einem echten Exportschlager, der sogar den Weg in westdeutsche Kinderzimmer fand. Das Unternehmen hat nicht nur die politische Wende überstanden, sondern ist bis heute erfolgreich am Markt etabliert.
Alleinfabrikant mit internationaler Strahlkraft
In der Deutschen Demokratischen Republik war der VEB Varia Mügeln der alleinige Hersteller von Farbkästen und erhielt für seine Produkte sogar eine Goldmedaille auf der renommierten Leipziger Messe. Doch die Bedeutung des Unternehmens reichte weit über die DDR-Grenzen hinaus. Laut Berichten der Leipziger Volkszeitung gehörten die Erzeugnisse aus Mügeln zu den begehrten Exportartikeln der DDR, die auch in westlichen Ländern Abnehmer fanden. So manches Kind in der Bundesrepublik dürfte seine kreativen Anfänge mit Farben aus dem sächsischen Mügeln gemacht haben.
Ursprünge in einer Schuhfabrik des 19. Jahrhunderts
Die Geschichte des Unternehmens reicht deutlich weiter zurück als die DDR-Ära. Bereits im Jahr 1872 gründeten die Mügelner Geschäftsleute Schurig & Prüfer eine Schuhfabrik, die den Grundstein für die spätere Vielfalt legte. Durch die Übernahme der Firma Hanel & Co. im Jahre 1934 erweiterte sich das Sortiment erheblich. Fortan wurden nicht nur Schuhe produziert, sondern auch Schuhcreme, Zahnpasta, Backaromen und sogar Seifenpulver hergestellt.
Nach der Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Unternehmen den Namen Varia, der programmatisch für die breite Produktpalette stand. Geschäftsführer Michael Zehme beschrieb diese Entwicklung gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk treffend: "Es ging mit Pantoffeln los, über Scherzartikel, Schweißerbrillen und künstliche Zähne bis zu Knetmassen und Farbkästen."
Herausforderungen und Neuanfänge nach der Wende
Zur Zeit der politischen Wende umfasste das Sortiment von Varia Mügeln beeindruckende 14 verschiedene Mal- und Farbkästen, vier spezielle Sorten von Farbstiften sowie Modelliermasse. Doch der Übergang in die Marktwirtschaft gestaltete sich schwierig. Das Unternehmen geriet aufgrund der Währungsunion in ernsthafte Schieflage und stand vor dem Aus.
Im Oktober 1991 begann mit der Gründung der Stylex Mügeln Schreibwaren GmbH ein neues Kapitel. Die Produktion von Schulfarbkästen entwickelte sich erfolgreich und erreichte schließlich mehr als zwei Millionen Stück pro Jahr. Als 1997 erneut die Schließung drohte, rettete eine Neugründung das Unternehmen. Seitdem firmiert es als Varia Color Produktions GmbH und setzt die Tradition fort.
Moderne Produktpalette mit traditioneller Qualität
Heute umfasst das Portfolio des Unternehmens laut Leipziger Volkszeitung ein breites Spektrum an Kreativprodukten:
- Klassische Farbkästen und Schulmalfarben
- Fingermalfarben für die Kleinsten
- Acryl- und Temperafarben für anspruchsvolle Künstler
- Modelliermassen für plastisches Gestalten
- Die Valio-Badespaß-Produkte mit natürlichen Farben
Die Erfolgsgeschichte von Varia Mügeln zeigt eindrucksvoll, wie ein traditionsreiches Unternehmen trotz politischer Umbrüche und wirtschaftlicher Herausforderungen seine Kernkompetenz bewahren und erfolgreich in die Gegenwart führen konnte. Vom einfachen Farbkasten der DDR-Schulkinder zum vielseitigen Kreativproduzenten – dieser Weg dokumentiert ein Stück deutsch-deutscher Wirtschaftsgeschichte, das bis heute fortgeschrieben wird.



