Die Jury des Deutschen Verlagspreises hat am Montag eine Erklärung veröffentlicht, in der sie ihre Unabhängigkeit betont und die Rolle des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) auf die formale Bestätigung der Entscheidungen beschränkt sehen will. Allerdings haben nur fünf der sieben Jurymitglieder unterschrieben – ausgerechnet der Vorsitzende Jörg Thadeusz und der Literaturwissenschaftler Friedhelm Marx fehlen.
Klarstellung vom BKM eingeholt
In der Erklärung heißt es, die Jury habe sich vom BKM, also von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, eine „Klarstellung“ eingeholt. Diese solle sicherstellen, dass an der Entscheidungsfindung der Jury nicht herumgedeutelt werde und sich die anschließende Aufgabe des BKM „auf die formale Bestätigung der Entscheidung und die Auszahlung der Preisgelder“ beschränke. Weimer habe dies in einem Schreiben vom 16. Juli bestätigt, nachdem es in seiner Pressemitteilung über die Änderung des Auswahlverfahrens Irritationen gegeben hatte.
In jener Pressemitteilung hatte es missverständlich geheißen: „Die Auswahl der auszuzeichnenden Verlage trifft der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) auf Grundlage der Empfehlungen der Jury.“ Zudem wurde erwähnt, dass er in Ausnahmefällen ein Veto einlegen könne, etwa wenn verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse zu Nominierten vorlägen.
Haber-Verfahren und Beratungsgremium
Die Jury erklärt, sie verstehe die Zusicherung als „verbindliche Grundlage der weiteren Juryarbeit“. Sie geht dann auf das sogenannte Haber-Verfahren ein, das beim Deutschen Buchhandlungspreis zur Anwendung kam und den Verfassungsschutz auffordert, mögliche Verfassungsfeinde unter Buchhandlungen oder Verlagen zu identifizieren. Beim Buchhandlungspreis wurden drei Buchhandlungen aus Bremen, Göttingen und Berlin trotz Jury-Empfehlung nicht ausgezeichnet.
Die Jury stellt klar: „Mit unserem Verständnis von einem unabhängigen und fachlich verantworteten Auswahlverfahren ist es nicht vereinbar.“ Sie fordert, dass das neu gegründete Beratungsgremium, das vom Börsenverein, Weimer und der Kurt-Wolff-Stiftung eingerichtet wurde, „ausschließlich beratend tätig wird und weder die Unabhängigkeit der Jury noch die Verbindlichkeit ihres Votums berührt“. Zudem solle das Gremium obsolet werden, sobald das Haber-Verfahren für das BKM entfalle.
Fehlende Unterschriften und Kritik
Es ist bemerkenswert, dass nicht alle Jurymitglieder die Erklärung unterzeichnet haben. Unterzeichnet haben Alexander Cammann, Isabele Cole, Ines Dettmann, Katharina Holzmann und Deniz Utlu. Nicht unterschrieben haben Friedhelm Marx und Jörg Thadeusz, der zu seinem Amtsantritt bereits von „Zauselbuchhandlungen“ sprach, die von Weimer beim Buchhandlungspreis nicht berücksichtigt worden seien. Thadeusz wurde zudem nicht von der Jury gewählt, sondern von Weimer persönlich eingesetzt.
Die fehlenden Unterschriften deuten darauf hin, dass Thadeusz und Marx nicht vollständig hinter der Erklärung stehen und möglicherweise weniger strikt gegen politische Einflussnahme vorgehen wollen. Es bleibt abzuwarten, ob der Deutsche Verlagspreis, der am 9. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse zum achten Mal vergeben wird und mit insgesamt zwei Millionen Euro dotiert ist, ohne weitere Reibungen verläuft.



