Vom Unternehmer zum Sozialhilfeempfänger: Bitteres Resümee nach Selbstständigkeit in der Uckermark
Vom Unternehmer zum Sozialamt: Bitteres Resümee nach Selbstständigkeit

Vom Unternehmer zum Sozialhilfeempfänger: Eine bittere Karriere

Erhard Steiner aus der Uckermark blickt auf eine selbstständige Tätigkeit zurück, die ihn am Ende zum Sozialamt führte. Der heute 68-Jährige wagte 1993 den Schritt in die Selbstständigkeit, primär aus Furcht vor Arbeitslosigkeit. „Das war damals auch für mich ein unbekanntes Kapitel“, erklärt Steiner mit Blick auf Nordkurier-Berichte über unternehmerische Herausforderungen.

Bürokratische Hürden und finanzielle Belastungen

Schon zu Beginn seiner unternehmerischen Laufbahn sah sich Steiner mit unerwarteten Problemen konfrontiert. „Ich musste plötzlich 800 D-Mark monatlich für die Krankenkasse bezahlen“, erinnert er sich. Diese finanzielle Belastung zwang ihn zeitweise sogar dazu, auf eine Krankenversicherung zu verzichten, um andere betriebliche Notwendigkeiten priorisieren zu können.

Als sein Unternehmen wuchs und er eine ABM-Kraft über das Arbeitsamt zugewiesen bekam, verschärften sich die Schwierigkeiten. „Die Behörde legte fest, was ich dieser bezahlen musste. Meine Festangestellten und ich kamen an diesen Lohn nicht heran“, schildert Steiner die Situation. Diese staatlich vorgegebenen Lohnkosten führten schließlich zur Auflösung der ABM-Stelle.

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Kritik an staatlichen Eingriffen

Steiner übt deutliche Kritik an den Rahmenbedingungen für Selbstständige in Deutschland. „Der Staat mischt sich in Sachen ein, die ihn nichts angehen“, moniert der ehemalige Unternehmer. Er betont, dass er als Kreditnehmer die volle Haftung trage, aber nicht frei über Lohnhöhen entscheiden könne.

Seine Vision: „Eine Firma muss wachsen können. Sobald eine gewisse Substanz erarbeitet wird, kann man ja mit den Löhnen hochgehen“. Diese Flexibilität sei ihm verwehrt worden, obwohl seine Mitarbeiter transparent über seine eigene Entnahme informiert waren und dies akzeptiert hätten.

Das bittere Ende beim Sozialamt

Nach Jahren des Kampfes kapitulierte Steiner schließlich. „Da wurde meine Krankenversicherung bezahlt, ich war richtig sprachlos“, beschreibt er seinen Gang zum Sozialamt. Sein Fazit fällt vernichtend aus: „Ich habe so viel gearbeitet und bin durch die ständigen Reformen trotzdem ins Strudeln geraten“.

Steiner fordert konkrete Unterstützungsmaßnahmen: „Warum fängt man Selbstständige nicht auf und bezahlt vorübergehend die Krankenkasse?“ Die Bilanz eines Unternehmens zeige doch klar dessen wirtschaftliche Situation.

Schärfste Kritik am System

In seinem abschließenden Urteil wird Steiner besonders deutlich: „Die Selbstständigen schließt man aus der Gemeinschaft aus“. Auf die Frage, warum heute weniger Firmengründungen stattfinden, antwortet er: „Wer dieses ungerechte Spiel einmal erlebt hat, der muss nicht alle Tassen im Schrank haben, wenn er das nochmals riskiert“.

Seine schärfste Kritik richtet sich gegen das Verhältnis zwischen Selbstständigen und Beamten: „Selbstständige schaffen Arbeitsplätze, durch Kauf und Verkauf kommen Steuern. Beamte leben hingegen wie die Maden nur von den Steuern“. Zwar räumt er ein, dass ein Teil der Beamten leistungsbereit sei, aber: „Bei der Vielzahl an Beamten lebt ein Teil nur von der Substanz anderer“.

Steiners persönliche Konsequenz steht fest: „Aus der heutigen Sicht würde ich mich nie mehr selbstständig machen“. Besonders bitter empfindet er, dass die Jahre intensiver Arbeit sich nicht positiv auf seine Rentenansprüche auswirkten.

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