VW-Vorstand kassiert Millionen-Boni trotz Gewinneinbruch und Stellenabbau
VW-Bosse erhalten Millionen-Boni trotz Gewinneinbruch

VW-Vorstand kassiert Millionen-Boni trotz Gewinneinbruch und Stellenabbau

Der Autobauer Volkswagen sorgt mit seinem aktuellen Vergütungsbericht für erhebliche Diskussionen. Während der operative Gewinn des Konzerns im Jahr 2025 halbiert wurde und bis 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen sollen, fließen weiterhin Millionenbeträge an die Konzernspitze.

Oliver Blume erhält 7,4 Millionen Euro trotz Sparprogramm

Konzernchef Oliver Blume (57) erhielt im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung inklusive Versorgungsaufwendungen von 7,42 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 10,35 Millionen Euro gewesen. Der Rückgang ist teilweise auf einen freiwilligen Gehaltsverzicht zurückzuführen: Im Rahmen des umfangreichen Sparprogramms verzichtete der gesamte Vorstand auf etwa 11 Prozent seiner Bezüge – bei Blume entsprach das knapp 493.000 Euro. Insgesamt gaben die Topmanager rund 3,4 Millionen Euro zurück.

Kurzfristige Boni werden trotzdem ausgezahlt

Ganz leer gingen die Vorstände jedoch nicht aus. Der kurzfristige Jahresbonus wurde in voller Höhe ausgezahlt – bei Oliver Blume belief sich dieser auf etwa zwei Millionen Euro. Für die übrigen Vorstandsmitglieder lagen die Jahresboni auf dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt summierten sich die kurzfristigen variablen Vergütungen der Topmanager auf rund 13,6 Millionen Euro.

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Entscheidend für die Bonusauszahlung war eine andere Kennzahl: der Netto-Cashflow. Zwar brach der Nettogewinn um 44 Prozent ein, und auch die Marge reichte nicht für eine Bonuszahlung aus. Doch beim verfügbaren Geld landete Volkswagen mit 6,4 Milliarden Euro deutlich über der kritischen Zielmarke. Dieser Wert hat im Vergütungssystem des Konzerns besonderes Gewicht, weshalb die Boni trotz des massiven Gewinneinbruchs flossen.

Bilanzierungstricks sichern Bonusstufe

Bereits im Februar war bekannt geworden, dass Volkswagen durch vorgezogene Einnahmen und bilanzielle Maßnahmen den Netto-Cashflow auf 6,4 Milliarden Euro steigern konnte. Diese unerwartet hohe Zahl ermöglichte es dem Konzern, die volle Bonusstufe für den Vorstand zu erreichen – obwohl das Unternehmen sich in einer schweren Krise befindet.

Stellenabbau und Vergütungspraxis im Widerspruch

Besonders brisant wirkt die Bonuszahlung vor dem Hintergrund des angekündigten Personalabbaus. Bis zum Jahr 2030 sollen rund 50.000 Stellen im gesamten Volkswagen-Konzern in Deutschland wegfallen. Arbeitnehmervertreter fordern deshalb, die Belegschaft stärker am überraschend hohen Mittelzufluss zu beteiligen, anstatt ausschließlich die Vorstände zu bedenken.

Interessanterweise bleibt der größte Einzelbezieher unter den Topverdienern Herbert Diess, der bereits 2022 als Konzernchef ausschied. Für das Jahr 2025 erhält er letztmalig rund 9,01 Millionen Euro inklusive Versorgungsaufwendungen – damit kassiert der ehemalige Chef mehr als der amtierende Vorstandsvorsitzende Oliver Blume.

Kritik an Vergütungssystem wächst

Volkswagen betont, dass das Vergütungssystem klaren Regeln folge und transparent sei. Kritiker halten jedoch dagegen: In einer Phase massiver Einschnitte und tiefgreifender Umstrukturierungen wäre ein stärkeres Signal der Zurückhaltung seitens der Konzernspitze angebracht gewesen. Die Diskrepanz zwischen millionenschweren Bonuszahlungen an die Führungsetage und dem angekündigten Stellenabbau bei den Beschäftigten sorgt für Unverständnis und wachsende Kritik.

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