Wolfgang Grupp kehrt zu Trigema zurück: 83-Jähriger berät seine Kinder im Familienunternehmen
Mit 83 Jahren hat Wolfgang Grupp, der ehemalige Chef des Textilunternehmens Trigema, seinen Schreibtisch in der Firmenzentrale in Burladingen wieder eingenommen. Nach seinem schweren Suizidversuch im vergangenen Jahr unterstützt der Unternehmer nun seine Kinder Wolfgang Grupp junior und Bonita Grupp als Berater im Familienbetrieb.
Regelmäßige Präsenz im Büro nach schwieriger Zeit
Wolfgang Grupp junior bestätigte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass sein Vater regelmäßig ins Büro kommt und aktiv mitarbeitet. „Unser Vater kommt regelmäßig ins Büro und arbeitet mit. Wir haben das Glück, mit ihm den Unternehmensberater im eigenen Haus zu haben“, erklärte der 34-Jährige. Auch Tochter Bonita Grupp betonte die Bedeutung ihres Vaters: „Meinem Vater geht es gut. Wir fragen ihn regelmäßig um Rat und brauchen ihn.“
Der Seniorchef sitzt weiterhin an seinem gewohnten Platz im Großraumbüro der Firmenzentrale und bringt seine mehr als fünf Jahrzehnte umfassende Erfahrung in die Geschäftsführung ein. Die Familie hat nach eigenen Angaben ein äußerst belastendes Jahr hinter sich, das durch den Suizidversuch des Patriarchen geprägt war.
Öffentliche Aufarbeitung der persönlichen Krise
Mitte 2025 hatte Wolfgang Grupp senior seinen Suizidversuch öffentlich gemacht und in einem Brief an ehemalige Mitarbeiter von seiner Altersdepression berichtet. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde, schrieb der Unternehmer damals und drückte sein Bedauern über die Geschehnisse aus.
„Wir sind froh, dass es mit meinem Vater dann doch so gut ausgegangen ist. Wir hatten Glück und sind dankbar dafür“, sagte Wolfgang Grupp junior rückblickend. Die Erfahrung des Vaters sei für die neue Führungsgeneration von unschätzbarem Wert, betonte er und verwies auf die besondere Unternehmensphilosophie: Seit der Übernahme 1969 habe sein Vater „keine betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen und auch keine Kurzarbeit eingeführt. So soll es bleiben“.
Generationswechsel mit Kontinuität
Wolfgang Grupp, 1942 in Burladingen geboren, hatte das von seinem Großvater gegründete Unternehmen 1969 übernommen und mehr als 50 Jahre lang geführt. Anfang 2024 übergab er offiziell die Geschäftsführung an seine beiden Kinder, die bereits zuvor im Unternehmen tätig waren.
Bonita Grupp leitet heute die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal, während Wolfgang Grupp junior für Geschäftskunden, Produktion und Finanzen verantwortlich ist. „Es ist besser, wenn man das auf beide verteilt“, hatte Grupp senior bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Suizidversuch Anfang März in Tübingen erklärt.
Kultige Werbefigur bleibt erhalten
Der schillernde Unternehmer wurde bundesweit durch seine ungewöhnlichen Fernsehspots bekannt, in denen ein als Nachrichtensprecher verkleideter Schimpanse namens Charly für Trigema-Produkte warb. Auch die neue Führung setzt auf diese ikonische Werbefigur, allerdings in modernisierter Form: „Der Affe Charly ist unser Haltungsbotschafter“, so Wolfgang Grupp junior. Das lebendige Tier wurde durch eine Computeranimation ersetzt, bleibt aber weiterhin wichtiger Bestandteil der Markenkommunikation.
Trigema stellt Wäsche, Freizeit- und Sportbekleidung her und wirbt konsequent mit der 100-prozentigen „Made in Germany“-Produktion. Das Familienunternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg steht damit exemplarisch für deutsche Mittelstandsunternehmen, die Tradition und Innovation verbinden.



