Berliner Mietenscan: Hälfte der Inserate mit überhöhten Mieten
Berlin: Hälfte der Mietinserate zu teuer

Der erste Mietenscan des Berliner Senats offenbart ein alarmierendes Ausmaß an Mietwucher in der Hauptstadt. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Analyse sind in der Hälfte aller untersuchten Wohnungsinserate die geforderten Mieten deutlich überhöht. Konkret liegt in 50 Prozent der Fälle die Angebotsmiete mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Der Senat hat daraufhin begonnen, die betroffenen Vermieter anzuschreiben und abzumahnen.

So funktioniert der Mietenscan

Der Mietenscan wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen entwickelt und soll systematisch Mietpreisüberhöhungen aufdecken. Grundlage ist ein Algorithmus, der automatisiert Online-Inserate von Wohnungsportalen auswertet und mit dem Berliner Mietspiegel abgleicht. Der Scan erfasst dabei nicht nur die Nettokaltmiete, sondern auch Nebenkosten und die Wohnungsgröße. „Wir wollen damit ein klares Signal senden: Mietwucher wird nicht toleriert“, sagte Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Ergebnisse im Detail

Für den ersten Scan wurden rund 15.000 Wohnungsinserate aus dem zweiten Quartal 2026 analysiert. Davon wiesen 7.500 Inserate eine Mietpreisüberhöhung von mehr als zehn Prozent auf. Bei rund 2.000 Inseraten lag die Überhöhung sogar bei über 30 Prozent. Besonders betroffen sind zentrumsnahe Stadtteile wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg, aber auch in Außenbezirken wie Neukölln oder Spandau wurden überteuerte Angebote gefunden.

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Reaktionen und Maßnahmen

Die Vermieter der auffälligen Inserate erhalten nun ein formelles Schreiben des Senats, das auf die Überschreitung der ortsüblichen Vergleichsmiete hinweist und zur Korrektur der Miete auffordert. Kommen die Vermieter dem nicht nach, drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Der Senat plant, den Mietenscan regelmäßig zu wiederholen, um die Entwicklung zu beobachten. „Dies ist ein wichtiger Schritt, um den Mietmarkt transparenter zu machen und Mieter vor Ausbeutung zu schützen“, erklärte Gaebler. Die Berliner Mietervereinigung begrüßte die Initiative, forderte jedoch schärfere Sanktionen: „Bußgelder allein reichen nicht, solange Vermieter die höheren Mieten einfach kassieren können“, sagte Geschäftsführerin Wibke Werner.

Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

Der Mietenscan könnte langfristig den Druck auf Vermieter erhöhen, ihre Mietforderungen zu senken. Allerdings befürchten Experten, dass dies zu einem Rückgang des Wohnungsangebots führen könnte, da manche Vermieter ihre Wohnungen lieber aus dem Markt nehmen. Die Berliner Immobilienverbände kritisierten das Vorgehen des Senats als „übergriffig“ und warnten vor einer Verknappung des Angebots. Der Senat hält dagegen: „Wir stellen nur fest, was ohnehin rechtswidrig ist. Wer sich an die Mietpreisbremse hält, hat nichts zu befürchten“, so Gaebler.

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