Beschwerden über Versicherer steigen um über 50 Prozent im Jahr 2026
Beschwerden über Versicherer steigen um 50 Prozent

Die Beschwerden über Versicherer haben im laufenden Jahr 2026 noch einmal deutlich zugenommen. In den ersten fünf Monaten des Jahres verzeichnete der Versicherungsombudsmann einen Anstieg der Eingänge um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Schlichtungsstelle der Versicherungswirtschaft stößt damit personell und finanziell an ihre Grenzen.

Rekordbeschwerden und längere Bearbeitungszeiten

Bereits im Jahr 2024 war ein Rekordniveau erreicht worden, das 2025 mit insgesamt 28.904 Beschwerden nochmals übertroffen wurde. Diese Entwicklung führte zu einer spürbaren Verlängerung der Bearbeitungsdauer. Im Jahr 2025 dauerten die Verfahren im Durchschnitt 77,6 Tage, wobei komplexe Fälle deutlich länger brauchten. Obwohl die gesetzliche Frist von 90 Tagen im Schnitt eingehalten wurde, bittet der Versicherungsombudsmann auf seiner Website mittlerweile darum, von Nachfragen zum Bearbeitungsstand abzusehen.

Finanzielle Schieflage und Forderung nach mehr Geld

Die gestiegenen Fallzahlen erforderten in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in Personal, Organisation und Digitalisierung. Der Versicherungsombudsmann teilte am Montag mit, dass die Finanzierung nun an das dauerhaft erhöhte Beschwerdeaufkommen angepasst werden müsse. Konkret benötigt die Schlichtungsstelle, die sich durch Mitgliedsbeiträge und Fallpauschalen finanziert, mehr Geld von den Versicherern. Der Jahresbericht 2025 weist einen Fehlbetrag von 137.000 Euro aus, nachdem 2024 noch ein Gewinn von 33.000 Euro erzielt worden war. Vorstand und Mitgliederversammlung beraten über Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Leistungsfähigkeit.

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Ursachen für die Unzufriedenheit

Der Anstieg der Beschwerden hat mehrere Gründe. Der Versicherungsombudsmann führt ihn unter anderem auf die wachsende Bekanntheit des Schlichtungsverfahrens zurück: Immer mehr Verbraucher nutzen diese schnelle und verständliche Möglichkeit zur Klärung von Streitigkeiten mit Versicherungsunternehmen, ohne vor Gericht zu gehen. Zugleich tragen die Versicherer selbst zur steigenden Unzufriedenheit bei. Besonders die verzögerte Bearbeitung von Schadenfällen, vor allem in der Kfz-Versicherung, sorgt für Unmut. Die Finanzaufsicht Bafin hatte die Branche daher im April 2025 ermahnt, Leistungsanträge innerhalb eines Monats zu bearbeiten. Auch die Höhe der Versicherungsleistung spielt bei vielen Beschwerden eine Rolle.

Ausblick und Branchenreaktion

Die Schlichtungsstelle steht vor der Herausforderung, ihre Effizienz trotz steigender Fallzahlen zu wahren. Die Versicherer sind gefordert, ihre Prozesse zu verbessern und die Finanzierung des Ombudsmanns zu sichern. Ohne zusätzliche Mittel droht eine weitere Verlängerung der Bearbeitungszeiten, was die Verbraucherunzufriedenheit weiter verstärken könnte. Die Bafin und Verbraucherschützer beobachten die Entwicklung genau.

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