Berlin – Der langjährige VW-Manager Michael Obrowski steht Insidern zufolge kurz vor der Berufung zum neuen Finanzvorstand der Deutschen Bahn. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns werde den 53-Jährigen voraussichtlich am Donnerstag in sein Amt berufen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete über die bevorstehende Personalie.
Obrowskis Karriere bei Volkswagen
Michael Obrowski ist seit 1995 ununterbrochen bei Volkswagen tätig. Er sammelte unter anderem umfangreiche Erfahrungen im Controlling des Wolfsburger Autokonzerns. Seit Juli 2021 verantwortet er die Finanzen der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen. In dieser Funktion war er maßgeblich an der strategischen Ausrichtung des Geschäftsbereichs beteiligt. Die Deutsche Bahn wollte sich auf Anfrage nicht zu den Informationen äußern und verwies auf die laufenden Aufsichtsratsberatungen.
Hintergrund: Abgang von Karin Dohm
Die Neubesetzung des Finanzressorts kommt nicht überraschend. Erst Ende März hatte die seit Jahren defizitäre Deutsche Bahn die Trennung von ihrer damaligen Finanzchefin Karin Dohm bekanntgegeben – nach nicht einmal vier Monaten im Amt. Dohm war zuvor von der Baumarktkette Hornbach zum Staatskonzern gewechselt. Als Grund für die überraschende Trennung nannte die Bahn unterschiedliche Vorstellungen über die Ausgestaltung ihrer Funktion sowie grundsätzliche Fragen der Unternehmensentwicklung.
Unter der neuen Bahn-Chefin Evelyn Palla, die das Amt im Januar 2026 übernommen hatte, wurde der Vorstand des Konzerns zuletzt deutlich verkleinert und umgebaut. Der Wechsel an der Finanzspitze ist ein weiterer Schritt in diesem Restrukturierungsprozess. Die Bahn steht unter massivem Druck, ihre Finanzen zu konsolidieren und die hohen Verluste einzudämmen.
Herausforderungen für den neuen Finanzvorstand
Der designierte Finanzvorstand Michael Obrowski wird vor großen Herausforderungen stehen. Der Staatskonzern leidet unter einer hohen Verschuldung, sinkenden Fahrgastzahlen im Fernverkehr und massiven Investitionsstaus in der Infrastruktur. Die Bundesregierung als Eigentümerin erwartet eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Obrowski soll laut Kreisen für mehr Kostendisziplin und eine effizientere Kapitalallokation sorgen. Seine Erfahrung im Controlling und in der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen, die ebenfalls hohe Fixkosten und komplexe Lieferketten aufweist, könnte ihm dabei zugutekommen.



