Ab dem 1. Juli 2026 gelten in der Europäischen Union zwei neue Zollregelungen, die sowohl Stahlimporte als auch Pakete von Billiganbietern wie Temu und Shein betreffen. Die bisherige Zollfreigrenze für Pakete unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern entfällt – künftig wird pro Warengruppe mindestens drei Euro Zoll fällig. Gleichzeitig dürfen nur noch etwa die Hälfte der bisherigen Stahlimportmengen zollfrei in die EU eingeführt werden. Diese Maßnahmen sollen heimische Industrien schützen, führen aber zu höheren Kosten für Verbraucher und Unternehmen.
Goldpreis fällt unter 4000 Dollar – Tiefpunkt erreicht?
Parallel zu den Zolländerungen gibt es Bewegung auf den Rohstoffmärkten: Der Goldpreis ist am Mittwoch erstmals unter die Marke von 4000 Dollar gefallen. Damit notiert das Edelmetall mehr als 25 Prozent unter seinem Rekordhoch. Anfang des Jahres befand sich Gold noch im Rally-Modus und steuerte auf neue Höchststände zu, doch nun kämpft es um die psychologisch wichtige 4000-Dollar-Marke. Rohstoffreporterin Judith Henke ordnet die Lage ein: „Der Markt sucht nach einem Boden. Es ist noch unklar, ob die Talsohle erreicht ist oder weitere Verluste drohen.“ Investoren beobachten gespannt, ob die Notierung sich stabilisieren kann oder ob die Talfahrt anhält.
Neue Zollregeln für Pakete aus Drittstaaten
Wer bei Temu, Shein oder anderen Online-Händlern außerhalb der EU bestellt, muss ab sofort mit zusätzlichen Kosten rechnen. Die bisherige Freigrenze von 150 Euro, unter der keine Zölle anfielen, wurde abgeschafft. Stattdessen wird nun pro Warengruppe ein Mindestzoll von drei Euro erhoben. Experten gehen davon aus, dass diese Kosten letztlich auf die Verbraucher abgewälzt werden. „Die Händler werden die Zollgebühren in die Preise einpreisen oder als separate Gebühr ausweisen“, erklärt Brüssel-Korrespondent Jakob Hanke Vela. Besonders betroffen sind Kunden, die häufig günstige Artikel aus Asien bestellen. Die EU-Kommission begründet die Regelung mit dem Schutz des Binnenmarktes und der Bekämpfung von Steuerausfällen.
Stahlimporte werden drastisch reduziert
Noch weitreichender sind die Änderungen für die Stahlindustrie. Die EU hat die zollfreie Importquote für Stahl halbiert – von bisher rund 15 Millionen Tonnen auf etwa 7,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Das bedeutet, dass nur noch die Hälfte der bisherigen Importmenge ohne zusätzliche Abgaben eingeführt werden darf. Alle darüber hinausgehenden Mengen unterliegen einem Zoll von 25 Prozent. „Diese Maßnahme soll die europäischen Stahlwerke vor Billigimporten schützen, insbesondere aus China und der Türkei“, so Hanke Vela. Allerdings warnen Branchenverbände vor steigenden Preisen für stahlverarbeitende Unternehmen in der EU, etwa in der Auto- und Bauindustrie. Die neuen Quoten gelten zunächst für ein Jahr, eine Verlängerung ist möglich.
Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft
Die Kombination aus höheren Zöllen auf Stahl und Paketen dürfte die Inflation in der EU leicht anheizen. Während die direkten Kosten für Online-Bestellungen mit rund drei Euro pro Paket überschaubar erscheinen, könnten die indirekten Effekte durch teurere Stahlprodukte wie Autos oder Baumaterialien stärker ins Gewicht fallen. Verbraucherschützer raten, Preise vor dem Kauf genau zu vergleichen und gegebenenfalls auf europäische Anbieter auszuweichen. Die EU-Kommission betont, dass die Regelungen notwendig seien, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten und strategische Abhängigkeiten zu reduzieren.



