Die Feinstaubbelastung in Deutschland sinkt seit Jahren, dennoch bleibt der unsichtbare Feinstaub eine ernste Gesundheitsgefahr. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben gemeinsam mit Partnern untersucht, wie viel Feinstaub Menschen auf ihren täglichen Wegen in Ballungsgebieten zu Fuß oder auf dem Rad aufnehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Belastung stark variiert und von Faktoren wie Verkehr, Wetter und Heizverhalten abhängt.
Was ist Feinstaub und warum ist er gefährlich?
Feinstaub ist ein Sammelbegriff für kleinste Partikel in der Luft, die aus natürlichen Quellen wie Vulkanen oder von Menschen verursachten Verbrennungsprozessen (Fahrzeuge, Kraftwerke, Feuerwerk) stammen. Laut Umweltbundesamt (UBA) ist Feinstaub mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar, außer bei bestimmten Wetterlagen als „Dunstglocke“. Die Partikel werden in Größenklassen eingeteilt: PM10 (maximal 10 Mikrometer) und PM2,5 (maximal 2,5 Mikrometer). Je kleiner die Partikel, desto tiefer gelangen sie in den Atemtrakt – bis in die Lungenbläschen. Das UBA erklärt: „Die Feinstaubpartikel lösen Entzündungen und Stress in menschlichen Zellen aus.“ Dies kann zu Asthma, Bronchitis, Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Demenz führen. Zudem können sich gefährliche Stoffe wie Schwermetalle oder krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) anlagern. Stefan Altmann vom KIT sagt: „Etwa ein Drittel der Erkrankungen an Asthma, Krebs und Covid-19 werden durch Feinstaub verursacht beziehungsweise begünstigt.“ Die WHO betont, dass es keine unschädliche Feinstaubkonzentration gibt.
Grenzwerte und aktuelle Belastung
Die Grenzwerte in Deutschland sind europarechtlich geregelt: Der PM10-Tagesmittelwert darf maximal 35 Mal im Jahr 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschreiten, der PM2,5-Jahresmittelwert liegt bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter. Laut Umweltministerium hält Deutschland diese Werte ein. Allerdings gibt die WHO strengere Vorgaben, die Deutschland nicht erfüllt, so Altmann.
Individuelle Messung und Belastungsunterschiede
Die Projektpartner entwickelten einen App-Prototypen, der alle zehn Sekunden Standort und Feinstaubkonzentration per Google abruft und mit Geschwindigkeit und Atemvolumen verrechnet. Altmann: „Daraus kann man das Gesundheitsrisiko ableiten.“ Die größte Feinstaubquelle ist das Heizen von Gebäuden, gefolgt vom Verkehr, der in Innenstädten stark schwankt. In ländlichen Regionen sind die Werte niedriger. Simulierte Daten zeigen: Selbst kurze Fahrten in München führen zu höherer Feinstaubaufnahme als doppelt so lange Fahrten im kleineren Rastatt.
Einfluss von Fortbewegungsart und Wetter
Eine Beispielrechnung für eine zwei Kilometer lange innerstädtische Strecke bei 10 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter: Zu Fuß (4 km/h, 25 Liter Atemvolumen pro Minute, 30 Minuten) werden 7,5 Mikrogramm eingeatmet; mit dem Rad (15 km/h, 35 Liter pro Minute, 8 Minuten) nur 2,8 Mikrogramm. Das Wetter spielt ebenfalls eine Rolle: Bei Temperaturen zwischen minus 5 und plus 10 Grad steigt die Belastung durch vermehrtes Heizen. Anhaltender Regen senkt sie deutlich. Auch Sahara-Staub oder Waldbrände können die Werte erhöhen, ebenso winterliche Inversionswetterlagen.
Messstationen und Schutz
Das UBA misst an rund 450 Stationen die Feinstaubkonzentration und bietet eine App „Luftqualität“ mit aktuellen Werten. Feinstaub lässt sich nur teilweise abhusten; insbesondere die kleinsten Partikel verbleiben länger in der Lunge, können aber vom Körper abgebaut werden.



