Die Berliner Giftnotrufzentrale schlägt Alarm: Immer mehr Menschen erleiden schwere Vergiftungen durch ein vermeintliches Abnehmmittel. Der Wirkstoff Retatrutid, der als vielversprechendes Mittel zum Gewichtsverlust gilt, ist bisher nicht zugelassen. Dennoch kursieren im Internet und auf dubiosen Kanälen Präparate, die vorgeben, diesen Wirkstoff zu enthalten. Die Folgen sind alarmierend.
Schweres Erbrechen und Muskelschwund: Die Symptome
Die Patienten leiden nach der Einnahme über mehrere Tage unter anhaltendem, schwerem Erbrechen. „Das klingt vielleicht nicht so dramatisch – ist es aber“, erklärt der Toxikologe David Steindl, Leiter der Berliner Giftnotrufzentrale. Neben dem Erbrechen treten auch Muskelschwund und Kreislaufprobleme auf. Die Fälle häufen sich in den letzten Wochen, sodass die Zentrale nun eine öffentliche Warnung ausgesprochen hat.
Retatrutid: Noch nicht zugelassen, aber gefragt
Retatrutid ist ein experimentelles Medikament, das in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse bei der Gewichtsreduktion gezeigt hat. Es gehört zur Klasse der GLP-1-Rezeptor-Agonisten, ähnlich wie Ozempic oder Wegovy. Allerdings ist Retatrutid noch nicht von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) oder dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen. Dennoch wird es auf dem Schwarzmarkt illegal angeboten.
Gefälschte Präparate aus dubiosen Quellen
Die Vergiftungen gehen offenbar auf gefälschte Versionen des Medikaments zurück. Diese enthalten oft nicht den eigentlichen Wirkstoff, sondern gefährliche Substanzen, die zu den schweren Nebenwirkungen führen. „Die Patienten kaufen diese Mittel im Internet oder von dubiosen Händlern, ohne zu wissen, was wirklich drin ist“, warnt Steindl. Die Berliner Giftnotrufzentrale rät dringend davon ab, nicht zugelassene Medikamente ohne ärztliche Aufsicht einzunehmen.
Anstieg der Vergiftungsfälle
Allein in den letzten Monaten verzeichnete die Zentrale eine deutliche Zunahme von Anrufen zu Retatrutid-Vergiftungen. Die genaue Zahl der Fälle nannte Steindl nicht, aber er spricht von einem „besorgniserregenden Trend“. Die Betroffenen sind meist Menschen, die schnell und ohne ärztliche Begleitung abnehmen wollen. Die Symptome können so schwer sein, dass eine stationäre Behandlung notwendig wird.
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung?
Bei Verdacht auf eine Vergiftung mit Retatrutid oder anderen nicht zugelassenen Abnehmpräparaten sollten Betroffene sofort den Giftnotruf kontaktieren oder einen Arzt aufsuchen. Die Berliner Giftnotrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar. Steindl betont: „Im Zweifel immer den Notruf wählen. Je früher wir eingreifen, desto geringer ist das Risiko von Langzeitschäden.“
Fazit: Vorsicht vor nicht zugelassenen Mitteln
Der Fall zeigt, wie gefährlich der Kauf von nicht zugelassenen Medikamenten im Internet sein kann. Die Berliner Giftnotrufzentrale warnt eindringlich vor dem Konsum von Retatrutid aus dubiosen Quellen. Wer abnehmen möchte, sollte sich an ärztlich verschriebene und zugelassene Präparate halten oder auf andere gesunde Methoden setzen. Die Gesundheit steht immer an erster Stelle.



