Jährlich werden in Deutschland rund zehn Millionen Kredite vergeben, wobei etwa die Hälfte der Beträge unter 1000 Euro liegt. Die Zahl der Kreditvergaben steigt kontinuierlich. Besonders Angebote wie „Jetzt kaufen, später zahlen“ erleichtern Verbrauchern den Zugang zu Finanzierungen, bergen jedoch auch erhebliche Risiken. Jan Welsch von S-Kreditpartner erläuterte bei Money Mittwoch von BILD, warum diese Entwicklung sowohl Chancen als auch Gefahren mit sich bringt.
Die steigende Zahl kleiner Kredite
Laut aktuellen Daten werden in Deutschland jedes Jahr zehn Millionen Kredite abgeschlossen. Die Hälfte davon sind Kleinkredite unter 1000 Euro. Diese Entwicklung zeigt, dass Verbraucher zunehmend auf kurzfristige Finanzierungen zurückgreifen, um Anschaffungen zu tätigen oder unerwartete Ausgaben zu decken. Jan Welsch betont: „Die niedrigen Beträge verleiten dazu, die langfristigen Kosten zu unterschätzen.“ Gerade bei kleinen Krediten seien die effektiven Jahreszinsen oft hoch, was die Rückzahlung verteuere.
Risiken von „Jetzt kaufen, später zahlen“-Angeboten
Besonders problematisch sind nach Einschätzung von Welsch die immer populäreren „Jetzt kaufen, später zahlen“-Angebote. Diese ermöglichen es, Waren sofort zu erhalten und die Zahlung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. „Solche Angebote können eine Schuldenfalle sein“, warnt der Experte. Viele Verbraucher würden die Rückzahlungsfristen und Verzugszinsen nicht ausreichend beachten. Komme es zu Zahlungsverzug, könnten schnell hohe Mahngebühren und Zinsen anfallen, die die ursprüngliche Summe deutlich übersteigen.
Wann wird ein Kredit zur Gefahr?
Ein Kredit wird dann gefährlich, wenn die monatliche Rate einen zu großen Teil des Einkommens bindet. Welsch empfiehlt, die Kreditrate sollte nicht mehr als 10 bis 15 Prozent des Nettoeinkommens betragen. Zudem sei es wichtig, Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben zu haben. „Wer bereits mehrere Kredite bedient, sollte von weiteren absehen“, rät der Experte. Besonders junge Menschen und Geringverdiener seien anfällig für Überschuldung.
Tipps für eine verantwortungsvolle Kreditaufnahme
Um die finanzielle Belastung gering zu halten, sollten Verbraucher vor Abschluss eines Kredits verschiedene Angebote vergleichen. Wichtig sei der effektive Jahreszins, der alle Kosten enthält. Zudem sollte die Laufzeit so kurz wie möglich gewählt werden, um Zinskosten zu minimieren. Welsch empfiehlt: „Nutzen Sie Kredite nur für notwendige Anschaffungen und nicht für Konsum.“ Bei Unsicherheiten könne eine kostenlose Schuldnerberatung helfen, die individuelle Situation zu bewerten.
Fazit: Chancen und Risiken abwägen
Kredite bieten die Möglichkeit, größere Anschaffungen zu finanzieren oder Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Doch die steigende Zahl kleiner Kredite und die Verlockung von „Jetzt kaufen, später zahlen“-Angeboten bergen Risiken. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation realistisch einschätzen und nur Kredite aufnehmen, die sie problemlos zurückzahlen können. „Eine sorgfältige Planung und ein bewusster Umgang mit Schulden sind der Schlüssel zur finanziellen Gesundheit“, so Jan Welsch abschließend.



