In Deutschland werden jedes Jahr fast 100.000 Radfahrer bei Unfällen verletzt, wie mein Kollege Lukas Kissel berichtet. Während EU-weit zwischen 2014 und 2024 jedes Jahr durchschnittlich 0,5 Prozent weniger Radfahrer getötet wurden, stiegen die Zahlen in Deutschland jährlich im Schnitt um 1,5 Prozent. Das Statistische Bundesamt erklärte die steigenden Zahlen mit der wachsenden Zahl an Senioren, die auf dem E-Bike verunglückten. Die Fahrradlobby macht eher schlechte Radwege für die Unfälle verantwortlich.
Rote Ampel? Mir egal!
„Doch das ist offenbar nicht alles“, schreibt Lukas. „Studien zeigen, dass viele Radfahrer selbst an ihren Unfällen schuld sind.“ Mehrere Untersuchungen aus den vergangenen Jahren formen das Bild des Rüpel-Radlers, der rote Ampeln höchstens als freundliche Ratgeber sieht. Und der lieber aufs Handy schaut als auf die Straße. Gefährlicher ist’s allerdings, wenn Autofahrer sich so vorhalten.
Starmer-Rücktritt: Tränen in der Downing Street
Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer hat heute seinen Rücktritt bis Herbst angekündigt. Überraschend kam der Schritt nicht, wie mein Kollege Stefan Kuzmany schon in der Lage am Morgen schrieb. Überraschend war aber, wie zerknittert und erschöpft Starmer wirkte. Und wie sehr er sich von den Emotionen davontragen ließ, als er, vor der schwarzen Tür in der Downing Street stehend, versprach, seiner Frau ein guter Ehemann und seinen Kindern ein guter Vater sein zu wollen.
Der Führungsstreit bei Labour dürfte damit vorbei sein. Der kommende Mann heißt Andy Burnham, 56, Ex-Bürgermeister von Manchester, der per Nachwahl ins Parlament einzog und als Macher gilt. Er kündigte heute seine Kandidatur für den Parteivorsitz an. Mein Kollege Christoph Giesen berichtet: „Sollte doch noch ein Gegenkandidat antreten, könnte sich die Wahl bis August oder September ziehen. Bleibt Burnham allein, könnte es rasch gehen.“ Dann wäre Starmers wohl letzter großer Auftritt der Nato-Gipfel in Ankara Anfang Juli.
DFB-Team bei der WM: Wer ersetzt Nico Schlotterbeck?
Der Innenverteidiger Nico Schlotterbeck wird der deutschen Nationalmannschaft für den Rest der WM fehlen, jedenfalls auf dem Platz. Heute hat der DFB die Diagnose öffentlich gemacht: Innenbandverletzung im linken Sprunggelenk. Ganz verzichten muss das Team aber nicht auf Schlotterbeck, wie Trainer Julian Nagelsmann sagte: „Es ist ein schönes Zeichen, dass er zunächst hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss.“
Beim Spiel am Samstag gegen die Elfenbeinküste war Schlotterbeck nach einem Zusammenprall mit Amad Diallo zur Halbzeit ausgewechselt worden. Laut DFB fällt er mehrere Monate aus; laut Nagelsmann kann die deutsche Defensive den Ausfall aber verkraften: Mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw sei sie „sehr gut aufgestellt für die WM“.
Mein Kollege Jörn Meyn sagt: „Das ist ein ziemlicher Euphemismus des Bundestrainers. Schlotterbeck war ein zentraler Bestandteil dieser Mannschaft – beim Aufbauspiel, aber auch bei Freistößen und Eckbällen. Die DFB-Elf muss sich nun sehr umstellen. Aber darin könnte vielleicht sogar eine Chance stecken.“
Was heute sonst noch wichtig ist
Linkenchef Pantisano bittet CDU nach „Faschismus“-Zitat um Entschuldigung: Der neue Linkenchef Luigi Pantisano hat seinen CDU-AfD-Vergleich nach scharfer Kritik erst relativiert – nun gibt er sich zerknirscht. Zugleich bekräftigt er seine „grundlegende Kritik am Rechtskurs der Union“.
Alan Greenspan ist tot: Von 1987 bis 2006 prägte er als Vorsitzender der US-Notenbank die Niedrigzinspolitik Amerikas, er arbeitete unter vier US-Präsidenten. Jetzt ist Alan Greenspan gestorben, er wurde 100 Jahre alt.
Parlament entscheidet am Mittwoch über Staatseinstieg bei KNDS: Der Bund will ein weitgehendes Mitspracherecht bei dem deutsch-französischen Rüstungskonzern durchsetzen, wie ein geheimes Papier zeigt, das dem SPIEGEL vorliegt. Gelingt das, bleibt noch eine Hürde.



