Ernüchternde Ergebnisse bei Kinderhelm-Test: Kein Modell erreicht "gut"
Die neueste Untersuchung von ADAC und Stiftung Warentest zu Kinderfahrradhelmen liefert ernüchternde Ergebnisse. Von den insgesamt 18 getesteten Modellen konnte keines die Gesamtnote "gut" erreichen. Diese Feststellung ist besonders bedenklich, da gerade für die jüngsten und noch ungeübten Radfahrer der bestmögliche Schutz von größter Bedeutung ist.
Grundschutz vorhanden, aber viel Luft nach oben
Positiv zu vermerken ist, dass alle geprüften Helme grundsätzlich vor schweren Kopfverletzungen schützen. Dennoch zeigt die Untersuchung deutliche Mängel auf. "Im Gesamtergebnis zeigt sich, dass es bei ausnahmslos jedem Helm noch Verbesserungspotenzial gibt", betont der ADAC in seiner offiziellen Stellungnahme. Zwei Modelle schnitten sogar nur mit "ausreichend" ab, wovor die Tester ausdrücklich warnen.
Testsieger ist der günstigste Helm
Am besten schnitt der Crivit-Helm ab, der für den Discounter Lidl produziert wird. Mit einer Gesamtnote von 2,6 und dem besten Unfallschutz im Vergleich (Note 2,3) ist er nicht nur Testsieger, sondern mit einem Preis von 14,99 Euro auch das preiswerteste Modell. Allerdings verhinderten die Bewertungen bei Handhabung und Tragekomfort (3,3) ein besseres Gesamtergebnis.
15 weitere Modelle erhielten die Note "befriedigend", während der "YouDrop" von Abus und der "Urban-Active" von Melon nur als "ausreichend" bewertet wurden. Beide Modelle weisen laut Testurteil Schwächen beim Schutz vor Kopfverletzungen im Schläfenbereich auf. Der Abus-Helm ist zudem im Dunkeln kaum zu erkennen, da er nur über einen kleinen Reflektor verfügt.
Einfache Verbesserungen möglich
Die Tester kritisieren, dass bei Kinderhelmen praktisch keine Weiterentwicklung stattfindet. Dabei ließen sich mit geringem Aufwand deutliche Verbesserungen erzielen. ADAC-Sprecher Fabian Fährmann erklärt: "Es ist ein Einfaches für die Hersteller, Reflexionsstreifen auf dem Helm anzubringen. Das kostet fast nichts, bringt aber dafür jede Menge. Leider macht das nicht jeder Hersteller."
Beim Melon-Modell, das mit knapp 80 Euro zu den teuersten Helmen gehört, stellten die Tester einen sogenannten "Mikroschlupf" fest. Das bedeutet, dass sich das Gurtband während der Fahrt lockert und regelmäßig nachgestellt werden muss.
Wichtige Tipps für Eltern
Der ADAC gibt Eltern konkrete Empfehlungen für den Helmkauf:
- Vor dem Kauf verschiedene Modelle anprobieren, da jede Kopfform individuell ist
- Zu Helmen mit guter Sichtbarkeit greifen - mit Reflexionsmaterial und aktivem Licht
- Bei aktivem Licht darauf achten, dass die Batterie einfach ausgetauscht oder aufgeladen werden kann
- Nach jedem Sturz den Helm austauschen, da viele Schäden nicht sichtbar sind
Fährmann betont abschließend: "Ein paar Helme haben ja sogar gute Sicherheitsbewertungen erhalten, es ist also immer besser einen Helm zu tragen, als ihn wegzulassen." Doch die Hersteller müssen dringend nachbessern, um den Schutz für die jüngsten Verkehrsteilnehmer zu optimieren.



