Metallfunde in Schmerzmitteln und Gewürzen: Zwei Rückrufe innerhalb von 24 Stunden
Innerhalb eines Tages haben zwei namhafte Hersteller Rückrufaktionen für ihre Produkte gestartet. Der Pharmakonzern Zentiva ruft eine komplette Charge des Schmerzmittels Ibuflam Lichtenstein 600 mg zurück, nachdem in einer 50er-Packung metallische Fremdkörper entdeckt wurden. Nur einen Tag zuvor hatte bereits der beliebte Gewürzhändler Ankerkraut eine Warnung für mehrere seiner Produkte herausgegeben – ebenfalls wegen möglicher Metallverunreinigungen.
Betroffene Ibuprofen-Charge und Reaktion des Herstellers
Konkret betroffen ist die Ibuflam-Charge mit der Nummer 5R02514. Zentiva-Sprecherin Katharina Holtz erklärte dazu: „Als Vorsichtsmaßnahme haben wir in Abstimmung mit der zuständigen Aufsichtsbehörde eine Charge Ibuflam 600 mg Lichtenstein Filmtabletten von Großhändlern und Apothekern zurückgerufen.“ Der Rückruf richtet sich dabei nicht direkt an Patienten, sondern erfolgt über die Vertriebswege. Ibuprofen zählt zu den meistverkauften rezeptfreien Medikamenten gegen Schmerzen und Fieber in Deutschland.
Vier Gewürzprodukte von Ankerkraut im Fokus
Bei Ankerkraut wurden während der Produktion Metallstücke in der Rohware entdeckt. Das Unternehmen warnt, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass bereits ausgelieferte Gewürze betroffen sind. Folgende Produkte sollten nicht verzehrt werden:
- Gyros-Gewürzmischung (80 Gramm im Korkenglas, Haltbarkeit bis 10.02.2029, EAN 4260347894083)
- Brathähnchengewürz (75 Gramm im Korkenglas, Haltbarkeit bis 22.01.2029, EAN 4260347894120)
- Gänse- und Entenbratengewürz (75 Gramm im Korkenglas, Haltbarkeit bis 22.01.2029, EAN 4260347893857)
- Smoking Zeus Trockenmarinade BBQ-RUB (200 Gramm im Streuer, Haltbarkeit bis 29.01.2029, EAN 4260347894700)
Ankerkraut-Chef Timo Haas betonte: „Wir nehmen diesen Fall sehr ernst und möchten offen und direkt kommunizieren, was passiert ist.“ Bei den Gewürzen soll es sich um Draht handeln, der unter anderem bei der Aufzucht von Pflanzen verwendet wird.
Häufigkeit von Fremdkörperfunden in Lebensmitteln
Allein in diesem Jahr gab es bereits mindestens acht entsprechende Rückrufaktionen wegen Fremdkörpern in Lebensmitteln. Erst im November vergangenen Jahres waren Metallteile in Tütensuppen von Knorr gefunden worden. Auch Wurst aus dem Supermarkt, Hüttenkäse und sogar Bio-Datteln waren in der Vergangenheit betroffen. Die Ursachen können vielfältig sein: Von Maschinenteilen in der Industrie bis hin zu landwirtschaftlichen Materialien.
Gesundheitsrisiken durch metallische Fremdkörper
Lebensmittel-Expertin Sabrina Göddertz vom Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Metallteile in Lebensmitteln können eine ernste Gesundheitsgefahr sein.“ Dr. Daniel Benten, Chefarzt für Gastroenterologie am Asklepios Klinikum Harburg, erläutert die medizinischen Aspekte: „Der Magenpförtner stellt bei solch kleinen Partikeln kein Hindernis dar. Allerdings haben längliche und spitze Fremdkörper ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.“
Während Speiseröhre und Magen meist nur oberflächliche Schleimhautläsionen davontragen, könnten spitze Teile die dünne Wand des Dünndarms durchbohren und zu Abszessen führen. „Allerdings hat der Dünndarm die hervorragende Funktion, dass über die feine Muskulatur der Schleimhautschicht in der Regel auch spitze Fremdkörper so durch den Verdauungstrakt geleitet werden, dass es nicht zu einer Perforation der Wand kommt“, so der Mediziner weiter. Kleinere Fremdkörper werden normalerweise mit dem Stuhlgang ausgeschieden, während größere oft durch medizinische Eingriffe wie Magenspiegelungen entfernt werden müssen.
Beide Unternehmen betonen, dass es sich um Vorsichtsmaßnahmen handelt, und raten Verbrauchern, die betroffenen Chargen nicht zu konsumieren. Die zuständigen Aufsichtsbehörden wurden eingebunden, und die Untersuchungen zu den genauen Ursachen der Verunreinigungen laufen.



