Verbraucherschützer kritisieren Online-Plattformen: Meldewege für illegale Inhalte zu kompliziert
Eine aktuelle Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands deckt erhebliche Mängel bei den Meldeverfahren für illegale Inhalte auf populären Online-Plattformen auf. Die Untersuchung zeigt, dass Nutzerinnen und Nutzer bei der Meldung von Fakeshops, Betrug oder anderen Rechtsverstößen häufig auf unüberwindbare Hürden stoßen.
Fünf Marktplätze und fünf Social-Media-Plattformen im Fokus
Die Verbraucherschützer haben in ihrer umfassenden Analyse fünf Online-Marktplätze – AliExpress, Amazon, Shein, Temu und Zalando – sowie fünf Social-Media-Plattformen – Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube – genau unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle untersuchten Plattformen bieten zwar grundsätzlich Meldewege für illegale Inhalte an, doch diese sind in der Praxis oft schwer zugänglich und nutzerunfreundlich gestaltet.
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, betont: „Plattformen stellen erhebliche Hürden in den Weg, wenn Nutzerinnen und Nutzer illegale Inhalte melden wollen. Das muss sich dringend ändern.“ Die Verbraucherschützer sehen in dieser Praxis klare Verstöße gegen den europäischen Digital Services Act (DSA), der leicht zugängliche und nutzerfreundliche Meldeverfahren vorschreibt.
Technische Hürden und manipulative Designs
Die Studie identifiziert mehrere konkrete Probleme, die Nutzer bei der Meldung illegaler Inhalte behindern:
- Lange und verschachtelte Klickpfade, die den Meldevorgang unnötig kompliziert machen
- Unübersichtliche Auswahllisten, die die richtige Kategorisierung erschweren
- Doppelungen bei geforderten Angaben, die den Prozess in die Länge ziehen
- Manipulative Designs, die Nutzer von der Meldung abhalten sollen
- Fehlende Eingangsbestätigungen, die Unsicherheit über den Erfolg der Meldung schaffen
Diese Hürden sind besonders problematisch, da illegale Inhalte wie Werbung für betrügerische Fakeshops auf Online-Plattformen schnell entfernt werden müssen, um Verbraucher zu schützen.
Digital Services Act: Europäisches Gesetz mit internationalen Auswirkungen
Der Digital Services Act (DSA) gehört zu den zentralen europäischen Digitalgesetzen und sorgt auch in den transatlantischen Beziehungen für Diskussionen. Während die Europäische Union mit dem DSA klare Regeln für Online-Plattformen etablieren will, kritisiert die US-Regierung unter Präsident Donald Trump die Maßnahmen als Zensurinstrument.
Die Spannungen zeigen sich auch in konkreten Verfahren: Im Dezember letzten Jahres verhängte die EU-Kommission auf Basis des DSA ein erstes Bußgeld in Höhe von 120 Millionen Euro gegen X, das frühere Twitter. Gegen Facebook und Instagram aus dem Meta-Konzern sowie gegen den chinesischen Online-Händler AliExpress laufen derzeit noch Verfahren.
Forderungen der Verbraucherschützer
Die Verbraucherschützer fordern von den Plattformbetreibern konkrete Verbesserungen:
- Vollständige Umsetzung aller Regelungen des Digital Services Act
- Abbau sämtlicher Hürden bei der Meldung illegaler Inhalte
- Einfachere und transparentere Meldeverfahren
- Schnellere Bearbeitung und Bestätigung von Meldungen
„Illegale Inhalte haben auf Online-Plattformen nichts zu suchen“, betont Ramona Pop. „Leicht zugängliche und nutzerfreundliche Melde- und Beschwerdeverfahren könnten helfen, diese schnell zu entfernen und Verbraucher besser zu schützen.“ Sollten die Plattformen ihre Verpflichtungen nicht erfüllen, fordern die Verbraucherschützer konsequente Bußgelder.
Die Studie macht deutlich, dass trotz gesetzlicher Vorgaben noch erheblicher Handlungsbedarf bei der praktischen Umsetzung des Verbraucherschutzes im digitalen Raum besteht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Plattformbetreiber die Kritik ernst nehmen und ihre Meldeverfahren tatsächlich verbessern.



