EZB hebt Leitzinsen erstmals seit 2023 an: Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher
EZB hebt Leitzinsen an: Folgen für Jobs, Geldbeutel und Inflation

Frankfurt am Main. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zum ersten Mal seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Angesichts einer Inflationsrate von zuletzt 3,2 Prozent sahen sich die Währungshüter zum Handeln gezwungen. Während Sparer von der Entscheidung profitieren könnten, kommt die Nachricht für die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft zur Unzeit.

Was hat die EZB genau beschlossen?

Der wichtigste Zinssatz im Euroraum steigt von 2,0 auf 2,25 Prozent. Diesen Satz erhalten Geschäftsbanken, wenn sie Geld bei der EZB parken. Gleichzeitig erhöht sich auch der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank leihen können, von 2,15 auf 2,4 Prozent. Ein Jahr lang hatte die EZB die Zinsen unverändert gelassen, nachdem sie zuvor kräftig gesenkt worden waren.

Warum greift die EZB jetzt ein?

Die EZB ist für die Preisstabilität in der Eurozone verantwortlich. Diese gilt aus Expertensicht bei einer Inflationsrate von zwei Prozent als erreicht. Allerdings kann die Zentralbank die Preise nur indirekt über die Zinspolitik beeinflussen, indem sie Geld verteuert oder verbilligt. Im Jahr 2025 pendelte die Teuerungsrate in den 21 Ländern der Währungsunion zwischen 1,9 und 2,3 Prozent, im Februar lag sie bei 1,9 Prozent. Nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran verteuerten sich zunächst Energie, später auch andere Waren und Dienstleistungen. Für Mai schätzte Eurostat die Inflationsrate auf 3,2 Prozent. Obwohl solche Werte schwanken können, rechnet die Zentralbank mit anhaltend erhöhter Teuerung und greift deshalb ein.

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Wie wirkt sich die Zinserhöhung aus?

Steigen die Zinsen, wird es für Banken und Sparkassen teurer, sich Geld bei der Zentralbank zu beschaffen. In der Folge vergeben sie Kredite zu höheren Zinsen oder schränken die Kreditvergabe ein. Gleichzeitig wird es für die Institute attraktiver, Geld bei der EZB zu parken, da die Verzinsung etwas besser ausfällt. Dies entzieht dem Wirtschaftskreislauf Geld. Für Unternehmen verteuern sich Kredite, was Investitionen in Anlagen oder Gebäude bremsen kann. Auch Verbraucher zögern möglicherweise bei der Aufnahme von Krediten für größere Anschaffungen. Investitionen und Konsum sinken, was die Inflation dämpft, aber auch die Wirtschaft belastet.

Warum ist eine Zinsentscheidung so schwierig?

Die Notenbanker sind der Preisstabilität verpflichtet, müssen aber auch die wirtschaftliche Lage im Euroraum im Blick behalten. Eine Zinssenkung kann das Wachstum ankurbeln, eine Zinserhöhung es bremsen. Viele Euro-Länder kämpfen derzeit mit Problemen, die die EZB nicht verschärfen will. Da die Zentralbank die Inflation nur indirekt beeinflussen kann und der Mechanismus verzögert wirkt, müssen die Währungshüter die Zukunft recht gut vorhersagen können – angesichts vieler Unwägbarkeiten eine besondere Herausforderung. Zudem ist die Inflationsrate selbst nicht präzise: Sie ist ein Durchschnittswert aus verschiedenen Ländern und berücksichtigt die Preise vieler Produkte – vom Ei über die Miete bis zum Strom. Der deutsche Warenkorb des Statistischen Bundesamtes enthält rund 700 Produkte mit unterschiedlicher Gewichtung. Steigende Eierpreise haben kaum Einfluss auf die Inflationsrate, wohl aber steigende Ölpreise. Vor allem Energie- und Lebensmittelpreise schwanken stark. Deshalb gilt die Kerninflationsrate (ohne Energie und Lebensmittel) als genauere Messgröße; sie lag zuletzt bei 2,5 Prozent.

Was bedeutet die Entscheidung für Sparer?

Für Sparer sind Leitzinserhöhungen zunächst positiv. Banken werden in der Folge Sparbücher und Tagesgeld höher verzinsen. Auch wer einen neuen Festgeldvertrag abschließt, erhält voraussichtlich etwas mehr Ertrag. Wer sein Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt hat, leidet dagegen – zumindest theoretisch. Da Aktien im Vergleich zu zinsabhängigen Anlageformen nun weniger Ertrag versprechen, sinkt ihre Attraktivität, was zu Kursverlusten führen kann. Dieser Effekt wird jedoch häufig von anderen Faktoren überlagert, etwa dem Boom bei Rüstungsaktien oder Künstlicher Intelligenz.

Was bedeutet die Zinserhöhung für Immobilienkäufer?

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, muss mit teureren Krediten rechnen. Banken geben die gestiegenen Refinanzierungskosten an ihre Kunden weiter. Allerdings könnte der Wettbewerb zwischen den Instituten diesen Effekt etwas abmildern.

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Wie wirkt sich die Zinserhöhung auf die deutsche Wirtschaft aus?

Für Deutschland kommt die Entscheidung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Verbraucher halten sich mit Ausgaben zurück, die Unternehmen kämpfen mit hohen Energiepreisen, Bürokratie, sich wandelnden Absatzmärkten und investieren wenig. Der Iran-Krieg hat die Lage zusätzlich verschärft. Ein großes Problem der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt ist hausgemacht: Die schwarz-rote Bundesregierung kommt mit durchgreifenden Reformen nur schleppend voran.

Wie geht es weiter?

Die EZB erwartet weiterhin hohe Inflationsraten. Die Finanzbranche rechnet daher mit einer zweiten Zinserhöhung im laufenden Jahr, vermutlich im September. Alles ist jedoch unsicher, weil die weltpolitische Lage unklar ist. Ende 2025 schien die Inflation in Europa noch unter Kontrolle, und für Deutschland zeichnete sich ein gutes Wachstum ab. Dann kam der Iran-Krieg.