Bundesbankpräsident Joachim Nagel zeigt sich skeptisch, was eine baldige Entspannung der Inflation angeht, selbst wenn es im Nahen Osten zu einer Friedenslösung kommt. Kurz vor seinem Auftritt auf dem Euro Finance Summit in Frankfurt am Montag erreichten ihn zwar positive Nachrichten aus Washington und der Region, doch er warnt vor zu viel Optimismus.
Skepsis gegenüber Friedensabkommen
„Man müsse sehen, wie belastbar das ist“, sagte Nagel mit Blick auf die Aussicht auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. „In 60 Tagen kann aus geldpolitischer Sicht viel passieren.“ Die Lage bleibe angespannt, und die Risiken für die Preisentwicklung seien keineswegs gebannt.
EZB hat Leitzinsen erhöht
Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Grund dafür war die Inflationsrate in der Euro-Zone, die im Mai bei 3,2 Prozent lag und sich damit deutlich vom angestrebten Zwei-Prozent-Ziel entfernt hat. Marktteilnehmer und Analysten rechnen mit weiteren Zinsschritten.
Straße von Hormus bleibt Risikofaktor
Nagel betonte, dass die Inflationsrisiken trotz möglicher Fortschritte im Iran-Konflikt nicht verschwunden seien. „Selbst wenn die Meerenge von Hormus demnächst wieder befahrbar sein sollte, wird es Monate dauern, bis sich das Ölangebot wieder normalisiert“, erklärte er. Die strategisch wichtige Wasserstraße war zuletzt durch die Kampfhandlungen im Nahen Osten beeinträchtigt worden, was die Ölpreise in die Höhe trieb.
Die Notenbanker hielten sich alle Optionen offen, so Nagel weiter. Der Zeitpunkt für weitere Zinserhöhungen bleibe ungewiss. Die EZB werde die Entwicklung genau beobachten und bei Bedarf handeln.



