DLRG im Südwesten: 13 Tote im Juni – Appell an Männer
DLRG im Südwesten: 13 Tote im Juni – Appell an Männer

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Baden-Württemberg hat im Juni 2026 eine alarmierende Bilanz gezogen: 13 Menschen sind in den Gewässern des Südwestens ertrunken. Elf der Opfer waren männlich. DLRG-Präsidentin Ute Vogt zeigte sich besorgt: „Der tragische Start in die Badesaison gibt Anlass zur Sorge, dass bei weiteren Hitzewellen im Hochsommer erneut viele Menschen ihr Leben im Wasser verlieren könnten.“ Die Rettungsschwimmer sind an vielen Seen und Flüssen im Einsatz, darunter auch in Heidelberg am Neckar.

Wachdienst am Neckar: Gefahren durch Schifffahrt und Selbstüberschätzung

Am Heidelberger Neckarufer ist Alexander Walter einer von acht DLRG-Wachgängern. Bei Temperaturen von bis zu 33 Grad, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Heidelberg prognostiziert, ist die Mannschaft stark gefordert. Walter erlebte kürzlich einen typischen Einsatz: Junge Männer schwammen weit hinaus auf den Neckar, direkt in die Schifffahrtsrinne, in der große Binnenschiffe verkehren. Mit zwei Kollegen fuhr er ihnen mit dem Boot nach und eskortierte sie zurück ans Ufer. Die Männer waren überrascht – sie hätten nicht an die Gefahr gedacht, erklärten sie.

Die DLRG hat in den vergangenen zehn Tagen allein in Heidelberg acht Wasserrettungseinsätze verzeichnet, darunter Vermisstensuchen, Ertrinkungsfälle, Brückenspringer und eine Totenbergung. „Das sind leider so gängige Dinge, die in so einem warmen Sommer dann doch gehäuft auftreten“, sagte Walter.

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Männer als Hauptrisikogruppe: Selbstüberschätzung und riskantes Verhalten

Bundesweit waren im Juni über 90 Prozent der Ertrunkenen männlich. In Baden-Württemberg traf dies auf elf der 13 Toten zu. „Wir appellieren deshalb besonders an Jungen und Männer, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und auf riskante Aktionen zu verzichten“, so Vogt. Der Psychologe Florian Stoeck vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen sieht Selbstüberschätzung als mögliche Ursache: „Männer schätzen ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Kontrolle über potenziell gefährliche Situationen im Vergleich häufig optimistischer ein.“ Er betont jedoch, dass auch andere Faktoren wie häufigeres Alleinschwimmen und höhere Risikobereitschaft eine Rolle spielen.

Ursachen für Badeunfälle: Von Nichtschwimmern bis zu medizinischen Notfällen

Die DLRG nennt fehlendes Schwimmvermögen, Selbstüberschätzung, Sprünge in zu flache oder trübe Gewässer sowie medizinische Notfälle als Hauptursachen. „Viele Menschen unterschätzen Gefahren, vor allem Strömungen und den Temperaturunterschied beim übereifrigen Gang oder Sprung ins Wasser“, hieß es weiter. Ein Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Heidelberg erklärte, dass Ertrinken oft schnell erfolge: „Aus Augenzeugenberichten weiß man, dass ein relevanter Überlebenskampf beim Ertrinken eher selten ist. Häufig wird ein relativ schnelles Versinken der Betroffenen im Wasser beobachtet.“

Ertrinken sei eine Form des Erstickens, bei der Wasser in die Atemwege gelange. Manchmal führe ein Reflex, bei dem die Atmung beim Eintauchen aussetze, oder eine Verschlechterung des Gesundheitszustands bei Menschen mit Herz- oder Gefäßerkrankungen zur Notsituation.

Schwimmbäder rüsten auf – Seen und Flüsse besonders gefährlich

Die meisten tödlichen Badeunfälle ereigneten sich im Juni in Seen, gefolgt von Flüssen. In Schwimmbädern starben landesweit zwei Menschen. Christian Mankel, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Bäderwesen, bestätigte: „Die Tatsache, dass an überdurchschnittlich heißen Badetagen höhere Todeszahlen zu beklagen sind, bestätigen die jüngsten Erfahrungen aus dieser Saison.“ Badbetreiber reagieren an heißen Tagen mit mehr Personal. Die DLRG appelliert an alle Badegäste, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und die Sicherheitshinweise zu beachten.

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