70 Tage vor den Wahlen in Berlin ist der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) offiziell gerügt worden: Der Senat stellte fest, dass Wegner über sein Verhalten während des großflächigen Stromausfalls im Februar 2026 falsche Aussagen gemacht hat. Während in der Stadt Empörung herrscht, zeigt sich Wegner unbeeindruckt.
Senatsprüfung bestätigt Falschaussagen
Die von der Senatskanzlei in Auftrag gegebene Prüfung ergab, dass Wegner mehrfach öffentlich behauptet hatte, er habe unmittelbar nach dem Blackout das Krisenzentrum aufgesucht und die Koordination übernommen. Tatsächlich traf er erst Stunden später ein, wie interne Kommunikationsprotokolle und Zeugenaussagen belegen. Der Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, spricht von einer „erheblichen Abweichung zwischen Darstellung und tatsächlichem Ablauf“.
„Das ist ein schwerer Vertrauensverlust für das Amt des Regierenden Bürgermeisters“, kommentierte ein Sprecher der Senatskanzlei. „Die Bürger haben ein Recht auf wahrheitsgemäße Informationen, besonders in Krisensituationen.“ Die Opposition fordert Konsequenzen, doch Wegner lehnt Rücktrittsforderungen ab.
Wegner zeigt sich unbeeindruckt
Bei einem öffentlichen Hoffest am Mittwoch posierte Wegner gut gelaunt mit einem Sport-Maskottchen und wies die Vorwürfe zurück: „Ich habe in der Situation richtig gehandelt und die Berlinerinnen und Berliner bestmöglich informiert. Die Prüfung bestätigt im Kern mein Handeln.“ Diese Einschätzung teilt der Senat jedoch nicht. Laut Bericht habe Wegner „objektiv unrichtige Angaben“ gemacht, etwa zu seiner Anwesenheit im Lagezentrum.
Der Vorfall belastet den Wahlkampf: 70 Tage vor der Abgeordnetenhauswahl droht der CDU ein Imageschaden. Die SPD und die Grünen haben eine Sondersitzung des Innenausschusses beantragt, um die Vorgänge aufzuklären. „Herr Wegner muss die volle Wahrheit sagen“, forderte der SPD-Fraktionschef. „Sonst ist er nicht mehr tragbar.“
Auswirkungen auf die Wahl
Politische Beobachter sehen in der Affäre einen möglichen Wendepunkt im Rennen um das Rote Rathaus. Der Regierende Bürgermeister stand ohnehin wegen der schleppenden Verwaltungsdigitalisierung und der hohen Mietpreise in der Kritik. Nun kommt der Vorwurf der Falschaussage hinzu. In Umfragen liegt die CDU aktuell bei 22 Prozent, knapp hinter der SPD. Die FDP und die Linke fordern Wegners Rücktritt.
„Die Berliner haben ein Recht auf einen ehrlichen Regierungschef“, sagte ein Sprecher der Berliner FDP. „Wenn Wegner nicht zurücktritt, müssen die Wähler am 20. September die Quittung erteilen.“ Ob die Affäre tatsächlich das Wahlergebnis beeinflusst, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Senat hat Wegner offiziell gerügt – ein einmaliger Vorgang in der Berliner Nachkriegsgeschichte.



