Fast ein Jahr nach dem spektakulären Fund einer Frauenleiche in einem Rollkoffer in Filderstadt (Landkreis Esslingen) wird im Prozess gegen den mutmaßlichen Täter das Urteil erwartet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-jährigen Angeklagten vor, seine 39 Jahre alte Bekannte getötet, ihre Leiche in Folie und Müllsäcke eingewickelt und in einem Koffer abgelegt zu haben. Angeklagt ist der Mann wegen Totschlags. Viele zentrale Fragen sind weiter ungeklärt, etwa die Todesursache oder das Motiv hinter der Tat.
Staatsanwaltschaft fordert 14 Jahre Haft
Die Staatsanwaltschaft fordert 14 Jahre Haft, während die Verteidigung auf einen Freispruch pocht. Der Angeklagte gab Medienberichten zufolge in seinem Schlusswort nochmals an, das Opfer nicht gekannt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann den Tod der Frau zumindest billigend in Kauf nahm. Hinweise auf Mordmerkmale hatten die Ermittlungen jedoch nicht ergeben, weshalb Anklage wegen Totschlags erhoben wurde.
Leiche war teilweise skelettiert
Der Fund im August des vergangenen Jahres hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Spaziergänger entdeckten den Koffer in einem ausgetrockneten Bachbett unter einer Brücke. Wegen der Sommerhitze war der Körper bereits stark verwest und teilweise skelettiert, was die Ermittlungen erschwerte. Die eigens eingerichtete Sonderkommission „Trolley“ suchte mit Flyern im Drogen- und Obdachlosenmilieu nach Hinweisen, befragte Anwohner rund um den Fundort und stellte den Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ vor.
Spuren ins Drogenmilieu
Das Opfer und der Angeklagte lernten sich nach Erkenntnissen der Ermittler mehrere Wochen vor der Tat im Stuttgarter Drogenmilieu kennen. Die Frau galt seit dem 21. Juli 2025 als vermisst. Etwa einen Monat später wurde ihre Leiche entdeckt. Noch vor der Ausstrahlung der Fernsehsendung führte der Hinweis eines anonymen Zeugen schließlich auf die Spur des Beschuldigten. Der Prozess endet nun mit der Urteilsverkündung, doch viele Fragen bleiben offen.



