Die Hauptstadtregion erlebt eine extreme Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 41 Grad am Wochenende. Die ersten Schulen in Berlin haben bereits hitzefrei gegeben, zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt und die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow haben Grillverbote in Parks verhängt. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einer starken bis extremen Wärmebelastung.
Schulen reagieren auf extreme Temperaturen
Am Ossietzky-Gymnasium in Pankow gilt ein Kurzstundenplan bis maximal 12 Uhr. Die Eichendorff-Grundschule in Charlottenburg blieb am Freitag komplett geschlossen, die Schulpflicht wurde aufgehoben. Eine Betreuung der Kinder sowie Mittagessen werden jedoch gewährleistet. Die Entscheidung über Hitzefrei liegt bei den Schulleitungen, die die Bedingungen in den Klassenräumen bewerten.
„Grundsätzlich besteht Schulpflicht. Unterrichtsausfall soll die Ausnahme bleiben“, teilte die Senatsverwaltung für Bildung mit. „Berliner Schulen können jedoch flexibel auf extreme Wetterlagen reagieren und den Unterricht an die jeweiligen Bedingungen vor Ort anpassen.“
Grillverbote und Veranstaltungsabsagen
Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow untersagen ab Samstag das Grillen auf allen öffentlichen Grünflächen. Grund ist die extreme Trockenheit und Brandgefahr. Betroffen sind unter anderem die Grillwiese am Neuen Hain im Volkspark Friedrichshain, der Görlitzer Park und der Mauerpark.
Der Berliner Fußballverband sagte die meisten Spiele am Wochenende ab. Der Bundestag sperrt Kuppel und Dachterrasse für Besucher. Das Berliner Bücherfest auf dem Bebelplatz wurde abgesagt. Die Berliner Philharmoniker lockern ihre Kleiderordnung für das Saisonabschlusskonzert in der Waldbühne: Die Herren treten ohne Jackett auf, die Damen tragen kurzärmelige Oberteile.
Hitzewarnung und Rekordverdacht
Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Samstag und Sonntag Temperaturen von 40 bis 41 Grad in Berlin und Brandenburg. Meteorologe Stefan Rubach sagte: „Wir kommen auf jeden Fall in die Nähe von Rekorden.“ Der bisherige Berliner Hitzerekord liegt bei 38,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Tegel.
In den Nächten wird es tropisch warm: Die Tiefstwerte liegen bei 20 bis 24 Grad, was die Abkühlung in den Wohnungen erschwert. Der DWD empfiehlt, direkte Sonne zu meiden und die heißen Nachmittagsstunden in geschlossenen Räumen zu verbringen.
Auswirkungen auf Infrastruktur und Veranstaltungen
Hitzebedingte Fahrbahnschäden führten zur Sperrung der A2 bei Ziesar und einer Spur auf der A10. Die Deutsche Bahn bietet kostenfreie Stornierungen für Fernverkehrstickets bis 30. Juni an. Der Berliner Fußballverband setzt alle Spiele ohne Relevanz für Auf- oder Abstieg ab.
Die Trabrennbahn Mariendorf verschob zwölf Rennen von Sonntag auf Dienstag. „Ganz im Sinne aller beteiligten Aktiven und vor allem natürlich der Pferde werden damit jegliche mit der riesigen Hitze verbundene Gesundheitsgefährdungen vermieden“, teilte die Rennbahn mit.
Hilfsangebote und Verhaltenstipps
Die Caritas bietet Hitzehilfe für Obdachlose an drei Tagen pro Woche mit kühlen Getränken und Sonnencreme. Viele Berliner Kirchen öffnen als „Kühle Kirchen“ zum Abkühlen. Die Deutsche Post und DHL stellten „Cool-Boxen“ mit Kühltüchern und Nackenschutz für ihre 8.000 Zusteller bereit.
Gesundheitssenatorin Ina Czyborra appellierte: „Schützen Sie sich und andere vor Hitze und UV-Strahlung. Trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie körperliche Belastungen und suchen Sie kühle Räume auf.“
Die Berliner Bäder verzeichnen hohe Auslastung. Das Columbiabad öffnete nach technischen Problemen wieder. Eine Live-Karte der Berliner Bäder zeigt die Auslastung in Echtzeit.



