True Crime Berlin: SA entführt jüdischen Fabrikanten Otto Schlesinger 1934
SA entführt jüdischen Fabrikanten Otto Schlesinger 1934

Im Februar 1934 entführten SA-Männer den jüdischen Textilfabrikanten Otto Schlesinger nahe Chemnitz und verschleppten ihn nach Berlin. Der Erpressungsversuch endete mit einer spektakulären Verfolgungsjagd, bei der der berühmte Kriminalkommissar Ernst Gennat die Täter festnahm. Doch die NS-Machtverhältnisse sorgten dafür, dass die Entführer nach nur drei Monaten Haft wieder auf freiem Fuß waren.

Die Verfolgungsjagd am Zoo

Am Dienstag, den 6. Februar 1934, gegen 18.30 Uhr erlebten Passanten nahe der Gedächtniskirche eine wilde Verfolgungsjagd: Ein Horch raste mit quietschenden Reifen um das Gebäude, ein Maybach mit Polizeisirene folgte. Schüsse fielen. Am Knie, dem heutigen Ernst-Reuter-Platz, rammte der Maybach den Horch. Aus dem Maybach stürmte Oberkriminalrat Ernst Gennat, der „Buddha vom Alexanderplatz“. Im Horch saßen vier SA-Männer und der 49-jährige Otto Schlesinger, kahlköpfig mit Nickelbrille und grauem Anzug, sichtlich erleichtert.

Fünf Tage im SA-Keller

Schlesinger war fünf Tage zuvor, am 1. Februar, auf dem Heimweg nach Wilischthal im Erzgebirge überfallen worden. Vier Männer in Regenmänteln zwangen ihn in einen Horch, verbanden ihm die Augen und fuhren nach Berlin. Im SA-Quartier erlebte er eine Tortur: Schläge, ein inszeniertes Tribunal und Scheinhinrichtungen – man stellte ihn auf einen Stuhl, legte ihm eine Schlinge um den Hals und stieß den Stuhl weg, fing ihn aber jedes Mal auf. Die Täter forderten 10.000 Mark Lösegeld, die sie für einen neuen Horch brauchten.

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Gennats Ermittlungen

Schlesingers Frau Elli und Verwandter Rolf Meyerheim alarmierten die Polizei. Gennat in Berlin wurde eingeschaltet. Nach drei Tagen kam ein Telegramm von Schlesinger mit der Lösegeldforderung. Die Geldübergabe an der Hauptpost scheiterte, doch ein zweiter Versuch an der Hardenbergstraße 14 gelang: Schlesinger nahm das Geld durchs Fenster des Horch entgegen, die SA-Männer gaben Gas – und wurden von Gennat gestellt.

Die Machtverhältnisse siegen

Gennat setzte durch, dass sieben Täter vor Gericht kamen und Zuchthausstrafen zwischen fünf und sechseinhalb Jahren erhielten. Doch nur drei Monate später wurden alle entlassen – auf Druck der NSDAP. Das Innenministerium ordnete zudem an, dass die von Schlesinger ausgelobte Belohnung von 5000 Mark an die SA-Truppe gehen müsse, um deren Horch abzuzahlen. Der Fall zeigt, wie die NS-Machtverhältnisse schon 1934 die Justiz untergruben.

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