Am Samstagmittag versammelten sich rund 250 Schüler, Eltern und Lehrer auf dem Alexanderplatz in Berlin, um gegen die Bildungspolitik des Senats zu demonstrieren. Ein breites Bündnis aus Bildungsinitiativen und Gewerkschaften hatte zu der Kundgebung aufgerufen, die nur wenige Schritte vom Roten Rathaus entfernt stattfand.
Protest für mehr Bildungsgerechtigkeit
Klaudia Kachelrieß von der GEW Berlin erklärte, dass man sich für bessere Schulbildung in Berlin einsetze. Es gehe um mehr Gerechtigkeit bei der Bildung, die Umsetzung der Inklusion und die Demokratisierung von Schulen. „Natürlich braucht es Rahmenbedingungen für gute Schulen“, betonte sie. Besonders kritisch sei die Situation von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf: „Zwischen 2300 und 2800 SchülerInnen, die besonderen Förderbedarf haben, gehen fast gar nicht in die Schule. In einem gut bestellten Land wie Deutschland wird das Recht auf Bildung nicht umgesetzt.“
Kritik an der Bildungspolitik
Der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften sei in Berlin seit Jahren bekannt, dennoch wurden bei den Hochschulverträgen die Plätze für Lehramtsausbildungen erneut gesenkt. Auch das Referendariat solle verändert werden, was es noch härter mache, sodass viele nicht durchhalten. „Der CDU-geführte Bildungssenat hat die Übergangsregelungen für die weiterführenden Schulen geändert. Die Durchlässigkeit ist dadurch noch geringer geworden“, kritisierte die GEW-Vertreterin.
Forderungen der Demonstranten
Das Bildungsbündnis sieht gute Chancen, Einfluss auf die Politik zu nehmen. „Wir müssen das Thema Bildung im Wahlkampf sichtbarer machen, und wir müssen laut werden.“ Die Demo solle dazu beitragen. Da Bildung in vielen Bereichen Ländersache sei und am 20. September Wahlen anstünden, wolle man Druck ausüben.
Jennifer, Vorsitzende des LandesschülerInnenausschusses, kritisierte in ihrer Rede, dass die Politik nicht genug Geld in Bildung investiere. Schulgebäude müssten „im besten Zustand“ und die Ausbildung „gut genug“ sein. Kinder mit Lern- und psychischen Problemen müssten oft wochenlang auf Hilfe warten. Lehrkräfte müssten über die Belastungsgrenze gehen, Förderpläne schreiben und sich um immer mehr Kinder kümmern. „Das System ist kaputt, weil sich niemand darum schert. Bildung ist kein Sparmodell“, erklärte sie.
Schüler berichten von Missständen
David, Schülersprecher der Kurt-Tucholsky-Oberschule, berichtete von Platz- und Lehrermangel. Die Räume seien zu klein für bis zu 28 Schüler. „Viele sind völlig überfüllt“, erklärte er. Das Gebäude müsse mit einer Grundschule geteilt werden, was zu Problemen bei Prüfungen führe. Fast jede sechste Stunde falle aus. „Mehr als vier Jahre lang fehlte auch eine Schulleitung. Auch im nächsten Schuljahr wird die stellvertretende Schulleitung offenbar nicht besetzt. Anträge auf Hilfe und Nachteilsausgleich werden ein Jahr lang nicht bearbeitet. Unsere Bildung säuft ab, es wird höchste Zeit zu handeln.“
Podiumsdiskussion angekündigt
Am Dienstag, 16. Juni, findet ab 18 Uhr unter dem Motto „Was geht in der Schulpolitik?“ eine Podiumsdiskussion mit Berliner Spitzenpolitikern in der Max-Traut-Schule statt. Teilnehmen werden Bildungssenatorin Katharina Günter-Wünsch (CDU), Steffen Krach (SPD), Elif Eralp (Linke) und Werner Graf (Grüne).



