Kinderkonflikte ohne Gewalt lösen: Expertin gibt Tipps
Kinderkonflikte ohne Gewalt lösen: Expertin gibt Tipps

Im aktuellen „Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer“ wird eine „verbreitete und zunehmende Gewalt“ an Schulen festgestellt. Die Autoren führen dies auf eine „geringer gewordene Impulskontrolle und Frustrationstoleranz“ zurück, insbesondere bei Grundschülern. Die Entwicklungspsychologin Kathrin Hohmann, eine der führenden Expertinnen für kindliche Wut, sieht dies jedoch differenziert.

Impulskontrolle im Wandel der Zeit

„Impulskontrolle und Frustrationstoleranz bei Kindern kann man nicht objektiv messen und mit früher vergleichen“, sagt Hohmann. Sie widerspricht der Annahme, frühere Generationen seien in dieser Hinsicht besser entwickelt gewesen. „Ja, Kinder waren vor 20, 30, 40 Jahren noch angepasster. Aber das ist nicht dasselbe wie Impulskontrolle. Sie hatten Angst vor Strafen, vor Gewalt durch Eltern oder Pädagogen.“

Die Rolle der Eltern in Konfliktsituationen

Laut Hohmann kommt es vor allem auf die Reaktion der Erwachsenen an. „Es geht um die Reaktion der Eltern in den kleinen Frustmomenten“, betont die Expertin. Kinder müssten lernen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, und dabei seien die Eltern die wichtigsten Vorbilder. „Wenn ein Kind wütend ist, sollten Eltern ruhig bleiben und das Kind begleiten, anstatt selbst laut zu werden oder zu bestrafen.“

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Praktische Tipps für den Alltag

Hohmann empfiehlt, in Konfliktsituationen zunächst die Emotionen des Kindes zu benennen und zu validieren. „Sagen Sie: ‚Ich sehe, du bist wütend, weil du nicht mehr spielen darfst.‘ Damit fühlt sich das Kind verstanden.“ Anschließend könne man gemeinsam nach Lösungen suchen. Auch das eigene Verhalten der Eltern sei entscheidend: „Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn Eltern selbst ruhig und respektvoll bleiben, übernehmen Kinder dieses Verhalten.“

Gewaltprävention beginnt früh

Die Psychologin betont, dass Gewaltprävention bereits im Kleinkindalter beginne. „Je früher Kinder lernen, mit Frustration umzugehen, desto besser.“ Dazu gehöre auch, Grenzen klar und konsequent zu setzen, aber ohne Gewalt. „Kinder brauchen klare Regeln, aber auch die Erfahrung, dass ihre Gefühle ernst genommen werden.“

Fazit: Mehr Verständnis, weniger Strafe

Hohmanns Rat an Eltern: „Reagieren Sie nicht mit Strafe oder Gewalt, sondern mit Verständnis und Geduld. Das ist der Schlüssel, um Kindern zu helfen, Konflikte friedlich zu lösen.“ Nur so könne die zunehmende Gewalt an Schulen langfristig reduziert werden.

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