Die Geheimzutat heißt Sarah Wiener. Die Starköchin brennt so leidenschaftlich für das Thema „Gesundes Essen“, dass sie jeden, der sie sprechen hört, mitreißt. 30 junge Teilnehmer des Projekts „Tagesspiegel macht Schule – gesund und informiert“ verbrachten mit der Starköchin in zwei Gruppen einen Tag am Herd und bereiteten gemeinsam ein Menü zu. Seitdem sind die Kinder und Wiener per Du: „In der Küche duzt man sich“, sagt die 63-Jährige in der Tagesspiegel-Redaktion.
Kochspaß und kritischer Blick auf Lebensmittel
„Sehr Spaß gemacht“ habe das gemeinsame Kochen, berichteten die Schüler Luisa und Tim von der Ahorn-Schule in Berlin-Friedrichshagen bei der Abschlussveranstaltung. Das selbstgemachte Ketchup konnte Tim zwar nicht überzeugen, sonst aber hat er alle Rezepte zu Hause noch einmal nachgekocht: „Meiner Mutter hat’s geschmeckt.“ Sowohl Projektmanagerin Katrin Schomaker als auch Anke Myrrhe, stellvertretende Chefredakteurin, sagen: „Tagesspiegel macht Schule – gesund und informiert ist mein Lieblingsprojekt“ beziehungsweise „unser Herzensprojekt, weil Sarah das Ganze so leidenschaftlich begleitet, dass man lernt und dabei Spaß hat“.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: 60 Klassen mit fast 1400 Schülerinnen und Schülern haben an der zweiten Runde teilgenommen. Der Ansturm war noch viel größer: 151 Klassen der Stufen 5 bis 7 hatten sich beworben. Das Angebot umfasst ein Jahr freien Zugang zu allen Tagesspiegel-Inhalten. Außerdem stehen für einen Zeitraum von sechs Wochen vielfältige Unterrichtsmaterialien zu den Themen Medienkompetenz und gesunde Ernährung zur Verfügung.
Bildungsstaatssekretärin lobt Projekt
„Das sind wichtige Themen und Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen“, sagte CDU-Bildungsstaatssekretärin Christina Henke. „Durch dieses Projekt werden sie lebendig und kommen in die Schulen rein. Da entsteht etwas ganz Neues.“ Angereichert wurde das Projekt durch mehrere Events: Es gab nicht nur die Möglichkeit, an zwei Kochkursen mit Wiener teilzunehmen, sondern auch eine hybride Diskussionsrunde über Foodtrends wie Energydrinks, Protein-Shakes und Low-Fat-Produkte. Eine Sprechstunde zu gesunder Ernährung für Lehrkräfte und Eltern wurde angeboten. Außerdem gab es die Möglichkeit zu einem Redaktionsbesuch beim Tagesspiegel.
Alles verfolgte ein Ziel: Medien kritisch lesen, verstehen und selbst recherchieren zu lernen. Besonders in Bezug auf Ernährung – das Thema treibt auch schon Kinder um, Foodtrends und -mythen stoßen in den sozialen Medien schnell und ungeprüft auf ein breites Publikum. Gegen das Unwissen, das dort verbreitet wird, kämpfte Wiener unter anderem in ihrer hybriden Diskussionsrunde an: Ist Kindern klar, mit wie viel Zucker Hersteller den bitteren Geschmack von Energy-Drinks verdecken? Welchen Einfluss die darin enthaltenen Stoffe auf Blutdruck und Herz-Kreislauf-System haben?
Wiener klärt über Lebensmittelmythen auf
„Wenn ihr einen Energy-Drink kauft, der eigentlich pure Chemie und dazu noch sehr teuer ist, dann tut ihr eurem Körper etwas Schlechtes“, erklärte sie. Die Worte „Zitronensäure“ und „Mangoaroma“ bedeuten nicht, dass das Getränk die entsprechende Frucht „auch nur von Weitem mal gesehen“ hat; die Geschmacksprofile können durch Hefe, Holzspäne oder Pilzkulturen hergestellt werden. Und ein Mensch, der sich ausgewogen ernährt, braucht keine Proteinshakes voller künstlicher Zusatzstoffe – das alles dürften viele der teilnehmenden Kinder von Wiener zum ersten Mal gehört haben.
Eine Umfrage bei den teilnehmenden Lehrkräften bezeugt hohe Zufriedenheit mit dem Projekt: 79 Prozent glauben, dass die Orientierung ihrer Schülerinnen und Schüler im Nachrichtenangebot sich durch die Teilnahme verbessert hat, 84 Prozent bewerteten die Qualität des Unterrichtsmaterials als gut oder sehr gut. Nur für Kinder an Förderzentren seien die Sachen weniger geeignet, berichtete Frau Engler von der Ahorn-Schule – zu viel Text, zu schwere Formulierungen. „Vielleicht können wir da noch nacharbeiten und auch Material in leichter Sprache anbieten“, sagte Myrrhe.
Projekt soll fortgesetzt werden
Denn es soll weitergehen. „Ich bin Traditionsmensch“, sagte Mario Hempel, Chef von Sunshine Catering, das Partner von „Tagesspiegel macht Schule – gesund und informiert“ ist. „Ich unterstütze das Projekt gerne nächstes Jahr wieder.“



