Die hessischen Vorlaufkurse für Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen vor der Einschulung gelten als Erfolgsmodell, doch eine wissenschaftliche Überprüfung ihrer Wirksamkeit steht noch aus. Dieses Desiderat soll nun eine Studie der Universität Heidelberg schließen. Professor Giulio Pagonis, Sprachwissenschaftler an der Universität Heidelberg, erklärte: „Wir arbeiten in Heidelberg derzeit an einem entsprechenden Forschungsdesign – die bisherigen Hinweise des hessischen Kultusministeriums deuten aber in eine zuversichtliche Richtung.“
Bisher keine validen Wirksamkeitsstudien
Obwohl die Vorlaufkurse in Hessen seit Jahren praktiziert werden und inzwischen auch in Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg Nachahmer gefunden haben, gibt es laut Pagonis bislang keine valide Studie, die belegt, dass die Teilnahme tatsächlich positive Effekte auf die Sprachentwicklung der Kinder hat. „Es sei mutmaßlich kein Zufall, dass das hessische Modell der Vorlaufkurse derzeit in weiteren Flächenbundesländern nachgeahmt wird“, so der Wissenschaftler. Die geplante Untersuchung soll diese Lücke schließen und empirische Daten liefern.
Ablauf der Vorlaufkurse in Hessen
Im hessischen Schulaufnahmeverfahren wird anderthalb Jahre vor der geplanten Einschulung getestet, wie gut die Kinder Deutsch sprechen. Besteht Förderbedarf, müssen die angehenden Erstklässler einen Deutsch-Vorlaufkurs besuchen. Diese Kurse sind darauf ausgelegt, die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder so zu stärken, dass sie dem Unterricht in der Grundschule folgen können. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums nehmen jährlich mehrere tausend Kinder an diesen Kursen teil. Die genauen Teilnehmerzahlen für das aktuelle Schuljahr wurden nicht genannt, aber die steigende Nachfrage in anderen Bundesländern deutet auf eine positive Wahrnehmung hin.
Forschungsdesign und Erwartungen
Die Heidelberger Forscher um Professor Pagonis entwickeln derzeit ein Forschungsdesign, das die Wirksamkeit der Kurse systematisch evaluieren soll. Dabei werden unter anderem die Sprachfortschritte der Kinder vor und nach dem Kurs gemessen und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Erste vorläufige Daten des Kultusministeriums stimmen optimistisch, doch die Wissenschaftler betonen die Notwendigkeit belastbarer Ergebnisse. „Bisherige Hinweise deuten in eine zuversichtliche Richtung, aber wir brauchen eine fundierte Studie, um die Effekte zweifelsfrei nachzuweisen“, sagte Pagonis.
Bedeutung für die Bildungspolitik
Die Ergebnisse der Studie könnten weitreichende Auswirkungen auf die Bildungspolitik haben. Sollte sich die Wirksamkeit der Vorlaufkurse bestätigen, wäre dies ein starkes Argument für deren Ausweitung auf weitere Bundesländer. In Hessen selbst könnten die Erkenntnisse genutzt werden, um die Kurse weiter zu optimieren. Das Kultusministerium in Wiesbaden begrüßt die wissenschaftliche Begleitung und erhofft sich klare Handlungsempfehlungen. Die Studie soll voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Jahre abgeschlossen sein.



