In Braunau am Inn, der Geburtsstadt von Adolf Hitler, haben Archäologen bei Bauarbeiten ein Massengrab mit 120 menschlichen Skeletten entdeckt. Der Fund begann mit einem einzelnen Knochen, den ein Mädchen im März auf einer Baustelle im Ortsteil Ranshofen fand. Die Mutter alarmierte die Polizei, die den Knochen sicherstellte. Schnell stellte sich heraus: Es handelte sich um menschliche Überreste, die schon lange im Boden lagen.
Archäologen legen neun Massengräber frei
Eine Spezialfirma für Archäologie und Bauforschung untersuchte die Baustelle und legte nach und nach neun Massengräber auf einer Fläche von etwa 150 Quadratmetern frei. Insgesamt kamen die Skelette von 120 jungen Männern ans Licht, die bei ihrem Tod zwischen 15 und 25 Jahre alt waren. Die Leichen waren ohne erkennbare Ordnung in die Gruben geworfen worden, wie Projektleiterin Michaela Binder der „Krone“ sagte: „Sie wurden also nur hineingeworfen.“
Einzigartiger Fund in Mitteleuropa
Heinz Gruber vom Bundesdenkmalamt erklärte gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“: „Dass unerwartet so viel zum Vorschein kommt, ist eine Ausnahmesituation, die ich in den vergangenen 20 Jahren noch nicht erlebt habe.“ Binder bezeichnete die Entdeckung als „in ganz Mitteleuropa einzigartig“. Die Toten stammen vermutlich aus der Zeit der Franzosenkriege (1792–1815), wie erste Knochenuntersuchungen nahelegen.
Keine Hinweise auf Todesursache
Die Archäologen fanden keine Schussverletzungen oder andere direkte Hinweise auf die Todesursache. Allerdings wurde einem Mann kurz vor seinem Tod der Unterschenkel amputiert. Es könnte sich um Opfer eines Lazaretts oder Feldlagers handeln. Die Polizei in Braunau am Inn legte den Fall mittlerweile zu den Akten – und zwar im ehemaligen Geburtshaus von Adolf Hitler, das seit Juli als Polizeistation dient.



