Berliner Polizei: GdP fordert kürzeres Studium für Aufsteiger gegen Personalmangel
Berliner Polizei soll weniger studieren: GdP-Vorschlag

Der Nachwuchs- und Fachkräftemangel macht auch vor der Polizei Berlin nicht Halt. Bei gleichzeitig steigender Aufgabenlast fehlen mittlerweile die Kolleginnen und Kollegen auf der Straße, die für die Bekämpfung neuer Kriminalitätsphänomene benötigt werden. So fiel im März rechnerisch gesehen ein ganzer Polizeiabschnitt aus, weil die ausgeschriebenen Stellen bei der Schutzpolizei oder im mittleren Dienst nicht besetzt werden konnten. Zur Einordnung: Im Frühjahr 2025 konnten nur 237 von 312 Plätzen im mittleren Dienst und 199 von 300 im gehobenen Dienst an geeignete Bewerber vergeben werden.

GdP fordert Verkürzung des Aufstiegsstudiums auf zwei Jahre

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP hat nun einen ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet, um dem Problem Herr zu werden: Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sollen weniger Zeit mit dem Studium in den Hörsälen der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) verbringen und sich früher wieder in den Funkwagen setzen. Dadurch würde man dringend benötigte Personalkapazitäten freibekommen, das Defizit an Personal mildern und Dienstbereiche entlasten, heißt es.

Konkret geht es nicht um Nachwuchskräfte, sondern um die sogenannten Aufsteiger. Dabei handelt es sich um Polizisten, die im mittleren Dienst ausgebildet wurden und bisher als Polizeiobermeisterinnen und -obermeister Dienst versehen haben. Mit einem dreijährigen Studium an der HWR können sie in den gehobenen Dienst aufsteigen. Die GdP fordert nun, dieses Weiterbildungs-Studium auf zwei Jahre zu verkürzen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Gewerkschaft: Nicht alle Teile des Studiums sind sinnvoll

„Wir reden bei unserem Aufstiegsstudium über fertige Polizistinnen und Polizisten, die ihre Fähigkeiten auf ihren Dienststellen bereits jahrelang bewiesen haben und die wir dennoch drei Jahre zum Studium schicken, um noch mehr Kompetenzen zu entwickeln“, kritisiert GdP-Landeschef Stephan Weh. „Das mag alles seine Berechtigung haben, aber nicht jeder Bestandteil des Studiums bringt uns wirklich voran.“ Ausgebildete Polizistinnen und Polizisten müssten hier in Kursen noch einmal Gesetzesgrundlagen durchkauen, die sie schon tagtäglich auf Berlins Straßen professionell angewandt hätten. „Selbst, wenn wir hier über Führungskompetenzen reden, schaffen wir das auch schneller“, so Weh weiter.

Auswirkungen des Vorschlags

Ob der Vorschlag viel an der momentanen Situation ändern würde, ist derweil umstritten. Das Aufsteiger-Studium wird im Jahr von gerade einmal 60 Beamtinnen und Beamten belegt. „Damit lösen wir nicht alle Probleme“, weiß auch Weh. „Aber eine Verkürzung des Aufstiegsstudiums auf höchstens zwei Jahre würde mal eben Personal für zwei komplette Dienstgruppen freimachen, um polizeiliche Kernaufgaben in der Stadt stemmen zu können.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration