Zehntausende Menschen haben am Montag in der iranischen Hauptstadt Teheran an einem Trauerzug für das getötete geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei teilgenommen. Drohnenaufnahmen des Staatsfernsehens zeigten eine dichte Menschenmenge auf einer Hauptstraße im Stadtzentrum. Die Särge Chameneis und von vier Familienmitgliedern wurden auf einem Lastwagen durch die Straßen gefahren. Der Luftraum über Teheran wurde für die Dauer der Zeremonie gesperrt.
Großangelegte Gedenkfeiern als Machtdemonstration
Die großangelegten Gedenkfeiern gelten als Machtdemonstration der Führung des Landes angesichts der vereinbarten Waffenruhe im Konflikt mit den USA und Israel. Demonstranten verbrannten während des Trauerzugs US-amerikanische und britische Flaggen. Einige Teilnehmer bewarfen eine Plakatwand mit Steinen, auf der US-Präsident Donald Trump mit einem auf seinen Kopf gerichteten Fadenkreuz zu sehen war. „Die USA haben unseren Vater getötet“, hieß es auf dem Plakat, und weiter: „Wir werden euch nicht entkommen lassen!“
Frauen in schwarzen Tschadoren mit roten Schildern
Frauen in schwarzen Tschadoren hielten rote Schilder mit der englischen Aufschrift „KILL TRUMP“ (Tötet Trump) in die Höhe. Andere Demonstranten trugen Plakate mit den Gesichtern von Trump, US-Vizepräsident JD Vance, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Fadenkreuz, versehen mit der Aufschrift „Es wird Blut fließen“.
Modschtaba Chamenei tritt bislang nicht auf
Drei Söhne des getöteten Führers hatten am Sonntag an dessen Sarg in einer großen Teheraner Gebetshalle Totenwache gehalten. Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei, der die Nachfolge als oberster Führer des Iran angetreten hat, zeigte sich jedoch nicht in der Öffentlichkeit. Es wird vermutet, dass er bei dem tödlichen Angriff auf seinen Vater schwere Verletzungen erlitt. Modschtaba Chamenei ist seit Beginn des Kriegs am 28. Februar, der mit israelischen und US-Luftangriffen auf den Iran einsetzte, nicht mehr öffentlich aufgetreten. Bei dem Angriff wurden zudem eine Tochter Chameneis, ihr 14 Monate altes Kind, ein Schwiegersohn sowie die Ehefrau von Modschtaba getötet.
Weitere Trauerfeiern in Ghom und im Irak geplant
Die Särge sollen im Laufe der Woche für weitere Trauerfeiern in die iranische Stadt Ghom sowie in zwei schiitische Pilgerstädte im benachbarten Irak gebracht werden, bevor die Toten in einem Schrein in Maschhad, einem religiösen Zentrum im Nordosten, beigesetzt werden.
Politische Hintergründe und Reaktionen
Im vergangenen Monat vereinbarten die USA und der Iran ein vorläufiges Friedensabkommen. Die klerikale Führung des Iran verblieb an der Macht und beansprucht den Sieg für sich, insbesondere durch die Kontrolle über die Straße von Hormus. Trump reklamiert ebenfalls den Sieg für sich, obwohl die von ihm zu Beginn formulierten Ziele – die Zerstörung der iranischen Atom- und Raketenkapazitäten sowie ein Sturz der Führung – nicht erreicht wurden. Trump erklärte am Wochenende, die Friedensgespräche mit dem Iran hätten sich wegen der Trauerfeiern um eine Woche verzögert.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Montag, Ali Chamenei sei getötet worden, weil er ein Programm zur Vernichtung Israels angeführt habe. „Jeder iranische Führer, der erneut versucht, Pläne zur Vernichtung Israels zu verfolgen, wird ebenfalls getötet werden“, sagte Katz.



