Nato-Gipfel in Ankara: Schadensbegrenzung und Europäisierung
Nato-Gipfel in Ankara: Schadensbegrenzung und Europäisierung

Rund 30 Staats- und Regierungschefs treffen sich am Dienstag in der türkischen Hauptstadt Ankara zum Nato-Gipfel. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete das Treffen im Vorfeld als den „vermutlich wichtigsten“ in der Geschichte des Verteidigungsbündnisses. Im Mittelpunkt steht die Schadensbegrenzung: Europa investiert zwar mehr in Verteidigung – ein Verdienst von US-Präsident Donald Trump –, doch dessen Politik schwächt die Allianz zugleich.

Trumps Forderungen und ihre Folgen

Trump hatte die Nato-Partner wiederholt aufgefordert, ihre Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Diese Forderung zeigt Wirkung: Laut Nato-Schätzungen werden 2024 voraussichtlich 18 der 31 Mitgliedstaaten das Zwei-Prozent-Ziel erreichen, verglichen mit nur drei Staaten im Jahr 2014. Dennoch untergräbt Trumps unberechenbarer Kurs das Bündnis. Seine wiederholten Zweifel am Beistandsartikel 5 und sein einseitiger Fokus auf nationale Interessen schwächen die kollektive Sicherheit.

Europäisierung der Allianz gefordert

Für die europäischen Bündnispartner bedeutet dies, dass die „Europäisierung“ der Nato mit Leben gefüllt werden muss. Anja Wehler-Schöck kommentiert im Tagesspiegel: „Europa investiert mehr in Verteidigung – das ist Trumps Verdienst. Doch anstatt die Nato zu stärken, schwächt er sie. Für die Bündnispartner heißt das: Die ‚Europäisierung‘ der Allianz muss mit Leben gefüllt werden.“ Konkret geht es darum, dass Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernimmt, etwa durch verstärkte gemeinsame Rüstungsprojekte und eine engere Koordination der Streitkräfte.

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Ankara als symbolträchtiger Ort

Die Wahl Ankaras als Gastgeberstadt ist nicht zufällig. Die Türkei ist ein wichtiger Nato-Partner mit der zweitgrößten Armee des Bündnisses. Zugleich hat die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan eigene sicherheitspolitische Agenden, etwa im Syrien-Konflikt und im östlichen Mittelmeer. Der Gipfel bietet die Gelegenheit, diese Differenzen zu überbrücken und die gemeinsame Front gegenüber Russland zu stärken.

Herausforderungen und Perspektiven

Neben der Diskussion über Verteidigungsausgaben stehen auch die Bedrohung durch Russland, der Krieg in der Ukraine und die Zukunft der nuklearen Teilhabe auf der Agenda. Die Nato bereitet sich auf eine mögliche zweite Amtszeit Trumps vor, die weitere Belastungen für das Bündnis bringen könnte. Die Europäer müssen daher nicht nur ihre Militärausgaben erhöhen, sondern auch ihre strategische Autonomie stärken. Der Gipfel in Ankara ist ein erster Schritt, die Weichen für eine stärker europäisch geprägte Nato zu stellen.

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