Franziska Giffey, bis 2023 Regierende Bürgermeisterin von Berlin, hat in einem Interview mit dem Tagesspiegel erstmals offen über ihren Nachfolger Kai Wegner (CDU) gesprochen. Auf die Frage, ob sie die bessere Regierende Bürgermeisterin sei, antwortete sie knapp mit „Ja“. Die SPD-Politikerin hatte nach der Wiederholungswahl 2023 auf eine erneute Kandidatur für das Amt verzichtet und den Weg für eine schwarz-rote Koalition unter Wegner freigemacht.
Selbstbewusste Einschätzung der Ex-Regierenden
Giffey zeigte sich überzeugt von ihrer eigenen Arbeit. „Ich habe in meiner Amtszeit viel bewegt, insbesondere in der Bewältigung der Corona-Pandemie und bei der Digitalisierung der Verwaltung“, sagte sie. Sie räumte jedoch ein, dass die Herausforderungen in Berlin groß seien. „Das Müllproblem ist eines der drängendsten Themen. Es ist ein Symbol für die strukturellen Schwierigkeiten der Stadt.“
Kritik an der aktuellen Stadtregierung
Die Ex-Bürgermeisterin äußerte sich auch zur Arbeit ihres Nachfolgers. „Kai Wegner hat eine schwere Aufgabe übernommen. Ich wünsche ihm viel Erfolg, aber ich sehe noch Luft nach oben“, so Giffey. Sie betonte, dass die SPD in der Koalition ihre Handschrift trage. „Ohne die SPD wäre Berlin nicht regierbar. Wir sind das Rückgrat der Koalition.“
Giffey kritisierte indirekt die CDU-geführte Senatskanzlei. „Berlin braucht mehr Tempo bei der Verwaltungsreform. Die Bürger erwarten zu Recht, dass Entscheidungen schneller umgesetzt werden.“ Sie verwies auf ihre eigenen Erfolge: „Unter meiner Führung wurden die ersten Schritte zur Digitalisierung der Meldeämter eingeleitet. Das muss jetzt konsequent fortgeführt werden.“
Blick auf die Zukunft
Auf die Frage, ob sie sich eine Rückkehr ins Amt vorstellen könne, antwortete Giffey ausweichend. „Ich konzentriere mich auf meine aktuelle Aufgabe als Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Aber man soll nie nie sagen.“ Sie betonte, dass sie weiterhin für die SPD kämpfen werde. „Die Partei ist gut aufgestellt. Wir werden bei der nächsten Wahl wieder stärkste Kraft werden.“
Das Interview zeigt, dass Giffey trotz ihres Rückzugs aus dem höchsten Amt Berlins weiterhin selbstbewusst auftritt. Ihre Aussagen dürften für Diskussionen in der schwarz-roten Koalition sorgen.



