Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat die schwarz-grüne Koalition in seinem Bundesland als Erfolgsmodell bezeichnet. „Ich mache keinen Hehl daraus, dass die Zusammenarbeit mit den Grünen in der Regierung ausgesprochen gut ist“, sagte Günther der Nachrichtenagentur dpa. „Wir werden in dieser Koalition bis zum Schluss vertrauensvoll und erfolgreich für die Menschen zusammenarbeiten.“
Günther will sich alle Optionen offenhalten
Gleichzeitig betonte der CDU-Politiker, dass er sich nach der Landtagswahl im April 2027 alle Koalitionsoptionen offenhalten wolle. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir uns den Partner wie beim letzten Mal aussuchen können. Das muss das Ziel sein“, sagte Günther. „Und manchmal bin ich ja auch für Überraschungen gut, wie bei der letzten Landtagswahl. Damals habe ich mich ja dafür entschieden, mit drei Parteien weiterarbeiten zu wollen, weil das ein erfolgreiches Bündnis war.“
Bei der Landtagswahl 2022 erreichte die Union 43,4 Prozent der Stimmen und verfehlte damit nur um ein Mandat die absolute Mehrheit im Parlament. Günther entschied sich damals gegen eine Alleinregierung und für die Fortsetzung der Koalition mit Grünen und FDP. Letztlich kam es zu einem Zweierbündnis mit den Grünen, nachdem die FDP aus der Regierung ausgeschieden war.
Wahlkampf 2027: Grüne setzen auf Touré
Für die anstehende Landtagswahl 2027 kündigte Günther an, dass jeder Koalitionspartner für sich kämpfen werde. „Monika Heinold wollte mich als Ministerpräsident ablösen. Heute will es Aminata Touré“, sagte er. Die frühere Finanzministerin Heinold war 2022 Spitzenkandidatin der Grünen; im Juni 2026 nominierte ein Grünenparteitag Sozialministerin Touré als Spitzenkandidatin. „Das ist das normale Geschäft, ich möchte natürlich weitermachen. Aber jeder kämpft für sich“, so Günther.
Der Ministerpräsident geht davon aus, dass Touré sich stark auf die Themen Antidiskriminierung und Antirassismus konzentrieren wird. „Das gibt uns als CDU die Möglichkeit, uns in diesem Wahlkampf positiv zu den Themen Schutz von Klima und Umwelt und Bewahrung der Schöpfung zu positionieren“, sagte Günther.
Schleswig-Holstein auf Erfolgskurs
Günther sieht sein Land auf einem guten Weg und verwies auf die Energiewende, Sicherheitspolitik und digitale Souveränität. Die Landesverwaltung werde schrittweise auf Open-Source-Lösungen umgestellt. Bereits 2024 begann das nördlichste Bundesland mit der Einführung von LibreOffice als Standard-Bürosoftware. Anfang Oktober 2025 wurde das Mailsystem der Landesverwaltung vollständig auf Open-Source umgestellt. Bei Open-Source-Lösungen ist der Quellcode öffentlich und kann an individuelle Bedürfnisse angepasst werden.
Günther betonte, dass die Koalition trotz unterschiedlicher Positionen in einigen Bereichen gut zusammenarbeite. „Ich habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass beide Koalitionspartner eine erneute Dreierkoalition nicht wollten“, sagte er mit Blick auf die Zeit nach der letzten Wahl. Dennoch sei die Zusammenarbeit mit den Grünen „ausgesprochen gut“. Die schwarz-grüne Koalition in Schleswig-Holstein gilt als eines der wenigen Beispiele für ein funktionierendes Bündnis zwischen Union und Grünen auf Landesebene, während eine solche Koalition im Bund derzeit als undenkbar gilt.



