Die Kommunalgebühren in Nordrhein-Westfalen steigen im Jahr 2026 erheblich und verteuern das Wohnen in vielen Städten und Gemeinden. Nach einer Analyse des Bundes der Steuerzahler (BdSt) Nordrhein-Westfalen liegen die Erhöhungen deutlich über der allgemeinen Preisentwicklung. Für einen Musterhaushalt mit vier Personen steigen die Abwassergebühren im Landesdurchschnitt um fünf Prozent, die Abfallgebühren um vier Prozent.
Gebühren steigen schneller als Inflation
„Wenn über bezahlbares Wohnen gesprochen wird, dann denken viele zuerst an die Miete, vielleicht noch an die Grundsteuer. Aber auch die kommunalen Gebühren entscheiden darüber, ob Wohnen bezahlbar bleibt“, betonte Rik Steinheuer, Vorsitzender des BdSt in NRW. Die Gebühren stiegen im Landesdurchschnitt deutlich stärker als die allgemeine Preisentwicklung, so Steinheuer.
Die Analyse basiert auf einem Musterhaushalt mit vier Personen und entsprechenden Abfall- und Abwassermengen. Der Verband hat die Gebühren aller 396 nordrhein-westfälischen Kommunen ausgewertet.
Immer mehr Kommunen verlangen über 1.000 Euro Abwassergebühren
Besonders bei den Abwassergebühren zeigt sich ein klarer Trend: 272 der 396 Kommunen haben die Preise erhöht. Bereits 113 Kommunen verlangen jährlich mehr als 1.000 Euro für den Musterhaushalt. Vor sechs Jahren waren es lediglich 21 Kommunen. „Die hohen Gebühren werden zunehmend zum Normalfall“, sagte Steinheuer.
Bei den Abfallgebühren führen viele Kommunen die CO2-Abgabe als Grund für die Erhöhungen an. Auch hohe Standards treiben die Kosten. So wird in Münster die Biotonne und in Düsseldorf die Altpapiertonne jede Woche geleert. Ein Gegenbeispiel ist Everswinkel: Dort wurde die Leerung der Restmülltonnen von 14-täglich auf vierwöchentlich umgestellt, was zu einer Gebührensenkung von sechs Prozent führte.
Kommunale Finanzkrise als Treiber
Der Trend, dass Kommunen die Gebühren erhöhen, halte an, erklärte Steinheuer. „Die Kommunen versuchen, aus den Gebühren das herauszuholen, was herauszuholen ist.“ Dies sei vor dem Hintergrund der kommunalen Finanzkrise zu sehen. „Es werden Spielräume genutzt, etwa bei Abwasserbetrieben, damit Geld in den Kommunalhaushalt fließt. Bei Haushaltssicherungskonzepten ist das ein Thema.“
Der Bund der Steuerzahler fordert daher, dass das Land Nordrhein-Westfalen den Kommunen mehr Geld pauschal zur Verfügung stellt, um die Gebührensteigerungen abzumildern.



