In einer aktuellen Kolumne für BILD wendet sich Harald Martenstein direkt an Franziska Giffey und plädiert für ihre Rückkehr ins Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin. Der 72-jährige Kolumnist bezieht sich auf ein Gespräch mit Bekannten, in dem die politische Lage in Berlin und die Affäre um den amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner diskutiert wurde.
Kai Wegner steht in der Kritik
Martenstein wirft Wegner vor, „seine Stadt und den Rest der Welt wochenlang und detailreich belogen“ zu haben. Stand gestern, so der Kolumnist, weigere sich Wegner beharrlich, zurückzutreten. In der Runde sei die Bemerkung gefallen, dass manche Politiker selbst dann nicht freiwillig zurücktreten würden, wenn man ihnen einen bewaffneten Raubüberfall nachweisen könnte oder Honorare aus dem Clan-Milieu. „Um die von ihrem Sessel zu trennen, muss erst eine Eliteeinheit der Ledernacken im Büro auftauchen“, zitiert Martenstein einen Gesprächsteilnehmer.
Die Berliner CDU am Abgrund
Die Berliner CDU, Wegners Partei, stehe angesichts der Affäre „am Abgrund“. In der Diskussion sei die Idee aufgekommen, dass Giffey „mal wieder eine gute Bürgermeisterin“ wäre – und vor allem ehrlicher. „Na gut, dazu gehört bei Wegner nicht viel“, wird ein Teilnehmer zitiert. Martenstein selbst räumt ein, dass Giffey der SPD angehört, der Berliner SPD aber „nicht anarcho genug“ gewesen sei. Ein Gesprächspartner schlug vor: „Soll halt die CDU sie zur Bürgermeisterin wählen. Mit ihr als Kandidatin gewinnt die CDU garantiert. Und eine Koalition mit Giffey könnte die SPD schlecht ablehnen.“
Krise der alten Parteien
Martenstein sieht die Krise der etablierten Parteien auch in deren Personalauswahl begründet: „Es werden zu oft Leute aufgestellt, die vor allem dem Parteiapparat gefallen.“ Stattdessen sollten lieber Kandidaten nominiert werden, die beim Volk gut ankommen – und ehrlich sind. „Keine Pinocchios!“, fordert der Kolumnist. Er schließt mit der Aufforderung an Giffey: „Geben Sie zu, dass ich recht habe.“
Reaktionen und Ausblick
Die Kolumne löste in Berlin politische Diskussionen aus. Ob Giffey tatsächlich erneut kandidieren wird, ist unklar. Die SPD Berlin hat sich bislang nicht offiziell zu einer möglichen Kandidatur geäußert. Die CDU Berlin steht unter Druck, nachdem Wegner in den vergangenen Wochen massiv an Rückhalt verloren hat. Beobachter sehen in Martensteins Vorschlag einen weiteren Beleg für die schwierige Personalsituation in der Hauptstadtpolitik.



