Oranienburg wächst rasant: Zuzug aus Berlin bringt Chancen und Konflikte
Oranienburg wächst: Zuzug aus Berlin bringt Chancen und Konflikte

Die Oranienburger bleiben tapfer. Schon am Vormittag steht die Demse flirrend über dem Asphalt, treibt die Schwüle den wenigen Spaziergängern in der Innenstadt an diesem Samstag den Schweiß aus den Poren. Um die 40 Grad sollen es am 27. Juni werden, dem bislang heißesten Tag des Jahres. Doch während landauf, landab Veranstaltungen abgesagt werden, schallt aus den Boxen des Wassersportclubs „Möwe“ im Fischerkiez unweit des Schlosses „Vamos a La Playa“.

Boomtown nördlich von Berlin

Oranienburg, die Kreisstadt im Norden Brandenburgs, erlebt einen beispiellosen Boom. Vor allem durch Zuzügler aus der Hauptstadt ist die Stadt eine der am schnellsten wachsenden Kommunen des Landes. Laut Statistik stieg die Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren um über 20 Prozent auf rund 46.000. Das belebt die Stadt, sorgt aber gleichzeitig für Konflikte.

„Das kaufen alles die Berliner“, sagt eine ältere Dame beim Bäcker und meint damit die steigenden Immobilienpreise. Tatsächlich haben sich die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in zentraler Lage innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Einheimische fühlen sich zunehmend verdrängt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Zwischen Aufschwung und Anspannung

Der Zuzug bringt aber auch Vorteile. Neue Cafés und Geschäfte entstehen, die Innenstadt wird attraktiver. Die Stadt investiert in Infrastruktur und Kultur. Das Schloss Oranienburg, ein barockes Juwel, wird saniert und zieht Touristen an. „Wir freuen uns über die Entwicklung, aber sie muss gesteuert werden“, sagt Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). „Sonst droht die Stadt zu zerreißen.“

Besonders der Wohnungsmarkt ist angespannt. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist hoch. Die Stadt plant daher neue Baugebiete, doch die Umsetzung stockt. „Wir brauchen mehr Tempo“, kritisiert die SPD-Fraktion im Stadtrat.

Alltag zwischen Boom und Bombe

Ein weiteres Thema ist die Vergangenheit: Oranienburg war Standort eines KZ-Außenlagers und einer Munitionsfabrik. Immer wieder werden bei Bauarbeiten Blindgänger gefunden. „Das gehört zu unserem Alltag“, sagt ein Bauarbeiter. „Aber man gewöhnt sich dran.“

Trotz aller Herausforderungen: Die Oranienburger sind stolz auf ihre Stadt. „Hier lebt es sich gut“, sagt eine junge Mutter, die vor drei Jahren aus Berlin zugezogen ist. „Die Nähe zur Natur, die Ruhe – das ist es, was wir gesucht haben.“

Ob der Boom nachhaltig ist, wird sich zeigen. Fest steht: Oranienburg verändert sich rasant. Die Frage ist, ob die Stadt den Spagat zwischen Wachstum und Bewahrung schafft.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration